Ehemaliger polnischer Außenminister Bartoszewski gestorben - DER SPIEGEL
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Trauer um großen Politiker Polens Ex-Außenminister Bartoszewski ist tot

Er wurde Zeuge der Gräueltaten der Nationalsozialisten, überlebte das Konzentrationslager und trat dennoch für die Versöhnung mit den Deutschen ein: Polens ehemaliger Außenminister Wladyslaw Bartoszewski ist tot.
Wladyslaw Bartoszewski: Wegbereiter der deutsch-polnischen Aussöhnung
Wladyslaw Bartoszewski: Wegbereiter der deutsch-polnischen Aussöhnung

Wladyslaw Bartoszewski: Wegbereiter der deutsch-polnischen Aussöhnung

Foto: Stephanie Pilick/ dpa
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Man wird in Polen und in Deutschland um ihn trauern: Der ehemalige polnische Außenminister Wladyslaw Bartoszewski ist tot. Das gab der polnische Präsident Bronislaw Komorowski am Freitagabend bekannt. "Ein großer Pole ist tot. Das ist ein ungeheurer Verlust", so Komorowski.

Der 93-jährige Bartoszewski hatte am Nachmittag einen Schwächeanfall erlitten und war in ein Krankenhaus gebracht worden.

Bartoszewski, ein ehemaliger Auschwitz-Häftling, war einer der Wegbereiter der deutsch-polnischen Aussöhnung. Bis zuletzt gehörte er zum Beraterstab der polnischen Regierung.

Noch am vergangenen Wochenende hatte er an den Gedenkfeiern zum 72. Jahrestag des Aufstands im Warschauer Getto teilgenommen.

Der 1922 geborene Bartoszewski war im Alter von 19 Jahren Häftling in Auschwitz, mit der Lagernummer 4427. Dort erlebte er zum ersten Mal in seinem Leben "das Gefühl völliger Hilflosigkeit angesichts der Misshandlung von Menschen", wie er später oft erzählte.

Bartoszewski, der vor seiner Festnahme für das Polnische Rote Kreuz gearbeitet hatte, hatte Glück - er wurde im April 1941 schwer krank entlassen. Zurück in Warschau, schloss er sich der polnischen Widerstandsbewegung an. Er studierte im Untergrund und gehörte zu den Gründern der "Zegota", einer Widerstandsgruppe, die Hilfe für Juden organisierte. Im Warschauer Aufstand kämpfte er gegen die Nationalsozialisten, erlebte die völlige Zerstörung seiner Heimatstadt.

Für den gläubigen Katholiken war das Ende des Zweiten Weltkriegs nur die Befreiung von einer Diktatur - Mitglieder der bürgerlichen Widerstandsbewegung galten im stalinistischen Polen als politisch suspekt. Während der kommunistischen Herrschaft in Polen verbrachte Bartoszewski rund acht Jahre in Gefängnissen, erlebte Zensur, Bespitzelung, Überwachung.

So wie er sich im Zweiten Weltkrieg in der Widerstandsbewegung engagiert hatte, engagierte er sich nach 1945 in der polnischen Demokratiebewegung. Mehr noch - er war einer der Wegbereiter der deutsch-polnischen Aussöhnung, suchte schon früh den Dialog mit Deutschland.

"Es lohnt sich, anständig zu sein", ist das Motto, das sich wie ein roter Faden durch Bartoszewskis Bücher, Essays und Artikel zog. Der Mann, der die Würde des Menschen durch zwei Diktaturen verletzt sah, setzte in seiner politischen Arbeit und Philosophie vor allem auf den Gedanken der Menschlichkeit.

Erst die politische Wende des Jahres 1989 brachte auch für Bartoszewski den Wandel vom Dissidenten zum Entscheidungsträger. Zwei Mal war er Außenminister, in den vergangenen Jahren Berater des Regierungschefs für das Thema des deutsch-polnischen Dialogs. Bartoszewski erhielt für sein lebenslanges Engagement zahlreiche internationale Auszeichnungen, unter anderem das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik und den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Als "Gerechter unter den Völkern" wurde er von Israel mit der größten Ehrung ausgezeichnet, die das Land zu vergeben hat

loe/dpa/AFP

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