Machtwechsel ElBaradei soll Regierungschef in Ägypten werden
ElBaradei (im November 2012): In den Präsidentenpalast bestellt
Foto: STRINGER/ AFPKairo - Mohamed ElBaradei wird neuer Regierungschef in Ägypten. Er werde noch am Abend vereidigt. Das verlautete am Samstag sowohl aus Armeekreisen als auch Tamarod-Bewegung, der Gegner des entmachteten Präsidenten Mohammed Mursi.
Übergangspräsident Adli Mansur bestellte ElBaradei in den Präsidentenpalast. ElBaradei erhielt 2005 als Chef der Internationalen Atomenergieorganisation den Friedensnobelpreis.
Die neue Regierung soll in einer möglichst kurzen Übergangszeit die von den Militärs ausgesetzte Verfassung überarbeiten und die Neuwahl von Präsident und Parlament vorbereiten. Der demokratisch gewählte Präsident Mursi war vor wenigen Tagen durch das Militär gestürzt worden. Die ägyptische Armee hatte Mansur als Übergangspräsident eingesetzt.
Der politische Flügel der Mursi-nahen Muslimbruderschaft lehnte in einer ersten Stellungnahme die Berufung ElBaradeis ab. Auch die radikal-salafistische Partei des Lichts unterstützt den liberalen Politiker nicht. Die nach den Muslimbrüdern zweitgrößte islamistische Partei Ägyptens hatte den Kurs des Militärs zur politischen Neurodnung zunächst unterstützt. Nun sagte Parteisprecher Achmed Khalil allerdings, dass die Nominierung ElBaradeis gegen den Aktionsplan des Militärs verstoße, dem seine Partei zugestimmt habe.
ElBaradei war nach jahrzehntelanger diplomatischer Tätigkeit im Ausland ein Jahr vor dem Sturz des ägyptischen Machthabers Husni Mubarak im Februar 2011 in seine Heimat zurückgekehrt und hatte sich für einen demokratischen Wandel in dem nordafrikanischen Land stark gemacht.
Die Sicherheitslage in Kairo ist weiter angespannt. Bereitschaftspolizisten bezogen am Samstag Stellung - es wird eine neue Nacht blutiger Zusammenstöße befürchtet. In der Nacht zum Samstag gab es Straßenschlachten zwischen Anhängern und Gegnern der Islamisten. Bei den Massenprotesten nach den Freitagsgebeten starben nach Angaben des staatlichen Ambulanzdienstes vom Samstag mindestens 36 Menschen, davon 16 durch Schüsse. Mehr als 1100 weitere wurden am Abend oder in der Nacht zum Samstag verletzt.
Koptischer Priester erschossen
Im Norden des Sinai entglitt den Behörden die Kontrolle. Hunderte Islamisten stürmten in der Nacht zum Samstag den Sitz des Gouverneurs in Al-Arisch. Dutzende von ihnen hielten das Gebäude auch am Tag danach noch besetzt. Bewaffnete Extremisten erschossen in der Stadt einen koptisch-orthodoxen Priester. In der Nähe der oberägyptischen Stadt Luxor starben bei religiös motivierten Zusammenstößen vier Christen und ein Muslim.
Angesichts der Gewalt hat das Auswärtige Amt seine Warnung vor Reisen in das Land verschärft. Es warnt nun auch vor Reisen in den Nord-Sinai und in das ägyptisch-israelische Grenzgebiet. Weiterhin "dringend abgeraten" werde von Reisen in das Nildelta, auf die Halbinsel Sinai und das Grenzgebiet zu Libyen. Überlandfahrten zwischen den genannten Landesteilen seien zu vermeiden.
Nicht betroffen von der Reisewarnung sind die Touristengebiete am Roten Meer und die Touristenzentren in Oberägypten wie Luxor und Assuan, wie den Reise- und Sicherheitshinweisen zu entnehmen ist. Auch Nilkreuzfahrten gelten weiterhin als sicher. Der Flughafen der Hauptstadt Kairo funktioniere normal und sei gut gesichert.