Nach Emine Erdogans Äußerung Was ist eigentlich ein Harem?
"Der Harem war eine Schule für Mitglieder der osmanischen Dynastie und eine Lehreinrichtung, in der Frauen auf das Leben vorbereitet wurden", sagte die Frau von Präsident Recep Tayyip Erdogan bei einem offiziellen Termin in Ankara. Sie erntete Kopfschütteln.
Der Begriff "Harem" wird im Westen häufig als Synonym für "Vielweiberei" verwendet: Es handelt sich demnach um eine Ansammlung leicht bekleideter, gut aussehender Frauen, die alle einem Mann gefügig sind. Geprägt wurde dieses Bild über Jahrhunderte auch durch Gemälde, Opern ("Die Entführung aus dem Serail") und Literatur ("1001 Nacht").
Woher kommt das Wort "Harem" und was versteht man darunter?
Das Wort stammt ursprünglich vom arabischen "haram" ab und bedeutet dort "heiliger verborgener Ort". Das darauf aufbauende türkische Wort "Harem" hat die Bedeutung "Frauenräume" oder "Privaträume". Ursprünglich bezieht es sich auf Wohnbereiche, die für Nicht-Familienmitglieder unzugänglich sind, aber auch auf die Frauen selbst, die dort leben.
Wann und wo gab es Harems?
Der Harem war zu sehr frühen Zeiten bis hin zu den osmanischen Herrschern eine Einrichtung wohlhabender, meist städtischer Häuser. In ihm lebten zum Teil mehrere Gattinnen oder Nebenfrauen des Familienoberhaupts, seine Konkubinen, Töchter, andere weibliche Verwandte, Kinder, Sklavinnen und Dienerinnen.
Im osmanischen Reich gab es Harems mit bis zu mehreren Hundert Frauen und Kindern. Bekanntestes Beispiel ist der Topkapi-Palast in Istanbul mit bis zu 400 Haremsgemächern. Einige Bewohnerinnen erhielten eine strenge Ausbildung, lernten Lesen und Schreiben sowie Handarbeit. In der Türkei verschwanden die Harems mit Einführung der Einehe 1926.
Hat ein Harem etwas mit dem Islam zu tun?
Eine typisch-islamische oder arabische Einrichtung ist der Harem nicht: Es gab Vergleichbares auch im alten Ägypten oder im chinesischen Kaiserreich. Die Sitte, dass die weiblichen Mitglieder eines Haushaltes abseits von den Männern lebten, übernahm die arabische Welt wohl im 7. Jahrhundert von den Byzantinern.
Im Islam ist der Harem der Trakt eines Hauses, in dem sich Frauen getrennt vom Männerbereich unverschleiert bewegen können. Der Koran schreibt die strikte Trennung von Frauen- und Männerräumen nicht explizit vor, empfiehlt Frauen aber, sich nicht zur Schau zu stellen. Frühe Koran-Kommentatoren leiteten daraus die Empfehlung einer Isolierung der Frauen im Haushalt ab.