Entführung im Jemen: Muslim stritt mit Deutschem über Missionierung - DER SPIEGEL
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Entführung im Jemen Muslim stritt mit Deutschem über Missionierung

Die im Jemen entführten deutschen Christen sind womöglich einem Racheakt zum Opfer gefallen. Nach Informationen des SPIEGEL soll es vor wenigen Monaten in Saada zu Auseinandersetzungen zwischen einem Deutschen und Muslimen wegen der Missionierung gekommen sein.
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Der Krisenstab des Auswärtigen Amtes hat Erkenntnisse, wonach aufgebrachte Muslime den deutschen Techniker Johannes H. bedrohten und aufforderten, seine Missionierungsversuche einzustellen. Der Mann aus Sachsen schilderte den Zwischenfall in einem Rundbrief an Freunde in Deutschland.

Er habe in einem Teehaus in Saada einen Muslim kennengelernt und mit ihm spirituelle Gespräche geführt. "Außerdem", berichtete Johannes H., "ermutigte ich ihn, die Bibel zu lesen." Nach einiger Zeit sei allerdings der Bruder des Mannes in dem Krankenhaus in Saada erschienen, in dem Johannes H. und seine Frau Sabine arbeiteten, und habe ihm gedroht, ihn bei den geistlichen Autoritäten anzuzeigen. Der Missionsversuch, habe der Mann zu H. gesagt, sei bereits Diskussionsthema in den Moscheen.

Offenbar schenkte der Vater von drei kleinen Kindern der Warnung aber wenig Beachtung. "Betet für seinen Glauben", bat Johannes H., "und dass er tatsächlich zum Glauben kommt und Jesus als seinen Herren annimmt."

Auch in den Hinterlassenschaften der von den Entführern erschossenen deutschen Frauen Rita S. und Anita G. aus dem westfälischen Lemgo fanden die Ermittler Missionsschriften.

Der Krisenstab geht mittlerweile davon aus, dass die Deutschen vor Ort als Missionare bekannt waren. Auf den Aufenthalt im Jemen hatten Johannes H. und seine Ehefrau sich unter anderem im hessischen Ort Eppstein bei Wiesbaden vorbereitet, bei einer Organisation namens "Weltweiter Einsatz für Christus", die Mitglied in der "Arbeitsgemeinschaft evangelikaler Missionen" ist. In dem Konzept der Gruppe heißt es: "Wir sehen unseren Auftrag vor allem in der Evangelisation der noch unerreichten Völker der Welt."

Laut Rekonstruktion der Entführung durch deutsche Ermittler des Bundeskriminalamtes (BKA) und jemenitische Beamte war eine sechsköpfige Gruppe von strenggläubigen Christen mit drei Kindern am Freitag vergangener Woche gegen 16 Uhr in einem Toyota-Geländewagen aus Saada losgefahren, um einen befreundeten Arzt im Umland der nordjemenitischen Stadt zu besuchen. Dort habe man Tee getrunken und sei gegen 18 Uhr wieder aufgebrochen. Zeugen beobachteten, wie die Gruppe von mehreren Bewaffneten in einem schwarzen Suzuki Vitara angehalten wurde.

Gegen 18.45 Uhr gelang es einer der beiden jungen deutschen Frauen, mit ihrem Handy bei der deutschen Krankenschwester Rosa K. in Saada anzurufen. Die Frau konnte aber nur wenig verstehen und legte auf. Die Ermittler vermuten, dass die Entführer unmittelbar danach drei ihrer Opfer mit Kopfschüssen in einem Flussbett exekutierten. Neben einem der Körper fand die Polizei später eine Patronenhülse.

Wegen des vermuteten Zusammenhangs zu Missionierungsversuchen hält der Krisenstab Islamisten als Täter für wahrscheinlich. Die von der jemenitischen Regierung zunächst verdächtigten schiitischen Rebellen unter Führung von Abd al-Malik al-Huthi weisen jede Verantwortung von sich. Jahja al-Huthi, der Bruder des Rebellenführers, versicherte: "Wir suchen sowohl nach den Entführern als auch nach den Entführten, deren Unversehrtheit im Vordergrund steht." Sollten sie die Täter finden, so Jahja al-Huthi, würden sie an die Ermittler übergeben.

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