EU-Berater Fischer stoppt Genscher
Der frühere belgische Premier Jean-Luc Dehaene gehört dem Gremium ebenso an wie der polnische Ex-Außenminister Bronislaw Geremek, der Franzose Jacques Delors, ehemals Präsident der EU-Kommission, der frühere italienische Ministerpräsident Giuliano Amato und der britische Labour-Abgeordnete David Miliband, aber kein Deutscher.
Die Gruppe soll, so erklärte der Pole Geremek, dem Dezember-Gipfel in Brüssel eine Vorlage für den Verfassungskonvent liefern, der vom nächsten Jahr an voraussichtlich unter Vorsitz von Amato die Reform der Union auf den Weg bringen soll. Dass im Vorbereitungskomitee kein Vertreter des größten EU-Mitgliedstaats mitarbeitet, lag nicht am bösen Willen des belgischen Ratspräsidenten, sondern an der Bundesregierung.
Kanzler Gerhard Schröder hatte als deutschen Repräsentanten den früheren FDP-Außenminister Hans-Dietrich Genscher vorgeschlagen, den Verhofstadt, ebenfalls ein Liberaler, nur zu gern in den Kreis aufgenommen hätte. Doch der grüne Außenminister Joschka Fischer war dagegen. Offenbar besorgt über Schröders allzu freundlichen Umgang mit einem möglichen Koalitionspartner, hielt er dem Kanzler vor, zu viele oppositionelle Freidemokraten mit politisch wichtigen Jobs zu beauftragen, so etwa den früheren Wirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff mit der Entschädigung von NS-Zwangsarbeitern oder den Rechtsexperten Burkhard Hirsch mit Recherchen über verschwundene Kanzleramtsakten nach der Abwahl Helmut Kohls.
Schröder wandte ein, das liege nun mal daran, dass Fischer und er noch keine Elder Statesmen seien und in ihren Parteien das Personal für solche Posten fehle. Fischer ließ nicht locker. Ohne sich mit Schröder weiter abzustimmen, erreichte er schließlich, dass sich die Gruppe vergangenen Dienstag ohne Genscher konstituierte.