Atomstreit EU verschärft Sanktionen gegen Iran
Atomstreit: EU verschärft Sanktionen gegen Iran
Foto: Nicolas Bouvy/ dpaLuxemburg - Auf das Ölembargo folgt jetzt auch ein Importverbot von Erdgas aus Iran: Die EU hat im Atomstreit weitere Sanktionen gegen das Regime in Teheran verhängt. Das teilte der Rat der Europäischen Union nach einem Beschluss der EU-Außenminister am Montag in Luxemburg offiziell mit.
Zu den Strafmaßnahmen gehören auch Geschäftsverbote gegen 34 Unternehmen, die Verbindungen zur Regierung in Teheran unterhalten. Außerdem wurde eine Person aus dem Umfeld des Nuklearprogramms mit einem Einreiseverbot belegt.
Darüber hinaus sind Überweisungen von europäischen auf iranische Bankkonten künftig nur noch unter strikten Auflagen erlaubt - etwa im Zusammenhang mit Lebensmittel- und Medikamentenbeschaffung - und müssen vorab bei nationalen Prüfungsstellen angemeldet werden. Obendrein sind Exporte bestimmter Metalle fortan verboten, gleiches gilt für Software für die Schiffsindustrie. Europäische Firmen dürfen auch keine Öltanker mehr an den Iran liefern oder verleihen, EU-Regierungen keine kurzfristigen Exportkredite mehr erteilen.
Die geplante Ausweitung der Sanktionen gegen Iran begründete Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) mit dem mangelnden Kooperationswillen der Führung in Teheran. "Weil die Gespräche bislang nicht ausreichende substantielle Fortschritte gebracht haben, werden wir die Sanktionen verschärfen müssen", sagte er in Luxemburg. "Iran spielt auf Zeit", fügte Westerwelle hinzu. Das Land habe "selbstverständlich das Recht, Atomkraft für zivile Energiegewinnung zu nutzen", ergänzte Westerwelle. "Aber Iran hat selbstverständlich auch die Pflicht, auf jede Form einer atomaren Bewaffnung zu verzichten."
Israel und der Westen verdächtigen Teheran seit langem, unter dem Deckmantel ziviler Forschung heimlich an Kernwaffen zu arbeiten. Die iranische Führung bestreitet dies hartnäckig. "Wir werden den Druck aufrechterhalten", sagte EU-Chefdiplomatin Catherine Ashton am Montag. "Und das ist auch wichtig, weil er eindeutig Wirkung zeigt."
Die Zahlen scheinen das zu belegen: Die Landeswährung Rial hat seit Anfang 2011 dramatisch an Wert verloren, wegen der rapide steigenden Preise begehrt die Bevölkerung zunehmend auf. Zudem fehlen der Regierung in Teheran wegen des Boykotts von Ölimporten durch die EU wichtige Deviseneinnahmen, die Reserven schwinden. Auch ist das Land vom internationalen Bankverkehr abgeschnitten, notwendige Güter können teilweise nicht mehr importiert werden.