Ex-PKK-Geisel "Wir hatten Riesenangst"
München - Wenige Tage nach der Rückkehr in die Bundesrepublik hat einer der drei von kurdischen PKK-Separatisten verschleppten bayerischen Bergsteiger in einem Zeitungsinterview Details der Geiselhaft beschrieben.
Die PKK-Separatisten hatten demnach eine Höhle als Versteck ausgewählt, weil sie Militäroperationen der Türkei fürchteten. "Das war schon grenzwertig und ging stark an die Psyche", sagte Lars R. der "Süddeutschen Zeitung" ("SZ"). "Wir mussten durch zwei kleine Löcher kriechen und acht Meter nach unten absteigen. Dann kam man zu einem Erdschlitz, der drei Meter breit und vielleicht 15 Meter lang war. Dort hätten sie weder richtig sitzen noch liegen können. "Wir waren drei Tage in der Dunkelheit. Überall gab es Flöhe und es stank nach dem eigenen Kot", berichtete der Ingenieur aus dem oberbayerischen Laufen der "SZ".
Bei dem Überfall auf das Zeltlager der Bergsteiger hatten die Entführer ihre Geiseln nach Angaben des Oberbayern gezielt ausgewählt. "Das war sehr einschneidend", sagte R.. Die Separatisten hätten "keine Alten, kein Frauen, keine, die nicht fit genug waren", mitnehmen wollen. "Die Entführer haben uns selektiert."
In dem Interview schildert Lars R., wie er verhindern wollte, in die Hände der PKK zu geraten: "Ich ging aus dem Zelt, um einen Sack zu holen, und hoffte ganz egoistisch, in der Zwischenzeit würde ein anderer ausgewählt, doch als ich zurückkam, hatte man sich für mich entschieden."
Während ihrer Verschleppung informierten sich die Geiseln seinem Bericht zufolge per Radio über die Bemühungen der Türkei und Deutschlands, das Kidnapping friedlich zu lösen. Einige Tage vor ihrer Freilassung hätten sie dabei auch erfahren, dass sich die Türkei und die PKK nicht auf einen Vermittler einigen konnten: "Wir waren moralisch total unten und hatten Riesenangst, dass die Türkei militärisch eingreift", sagte Lars R.
Trotz der Strapazen hätten die Entführer sie aber "wie Gäste" behandelt. "Sie waren immer freundlich", sagte der 33-Jährige. "Wir ahnten bald, dass man uns nichts antun wollte."
Auch die Freilassung schilderte R.: "Da kamen die PKK-Entführer und sagten uns: Helmut, Martin, Lars - Almanya! Wir schlussfolgerten: Aha, jetzt geht es wieder nach Hause." Nachts seien sie losgegangen und morgens in einem Dorf an Einheimische übergeben worden, die sie zur Polizei brachten.
Nach seiner Freilassung habe er sich erst sicher gefühlt, "als während einer chaotischen Befragung durch die Polizei zwei Leute vom Bundeskriminalamt auftauchten. Das waren zwei super Männer", sagte Lars R., "die sagten uns: Da müsst ihr noch durch, dann nehmen wir euch mit. Abends waren wir noch ein Bierchen trinken." Er habe jetzt zwei Nächte gut geschlafen "und keine Alpträume gehabt", sagte Lars R.
hen/ddp