Experten-Analyse Krisenstab schweigt zu Geiselvideo
Berlin/Bagdad Die Schlussfolgerungen aus dem neuen Video über die beiden im Irak entführten Deutschen René Bräunlich und Thomas Nitzschke werden nicht veröffentlicht. Das Auswärtige Amt teilte heute in Berlin mit, Spezialisten von Bundesnachrichtendienst und Bundeskriminalamt hätten den 25 Sekunden langen Videofilm aus dem Internet im Detail analysiert und den Krisenstab informiert. Man wolle die Bemühungen zur Rettung der beiden Deutschen nicht gefährden, hieß es als Begründung. Der Krisenstab im Auswärtigen Amt ist heute Morgen wie jeden Tag seit Beginn der Geiselnahme am 24. Januar zusammengetreten. Das ins Internet gestellte Video stammt laut Datumseinblendung vom 28. März.
Die mittlerweile vierte Video-Botschaft der vor gut zweieinhalb Monaten entführten Ingenieure war auf einer islamistischen Internetseite verbreitet worden und liegt SPIEGEL ONLINE vor. Der verschleppte Thomas Nitzschke sagt in einer etwa zehn Sekunden dauernden Botschaft: "Wir sind jetzt seit über 60 Tagen hier gefangen. Wir sind am Ende unserer Nerven. Bitte helfen Sie uns. Wir halten es nicht mehr länger aus. Bitte helfen Sie uns."
Auf der in dem Videoausschnitt im Hintergrund gezeigten schwarzen Schrifttafel steht in Arabischer Schrift: "Im Namen Gottes des Barmherzigen Bataillon der Unterstützer des Tawhid und der Sunna". Bräunlich und Nitzschke tragen auf dem Video inzwischen Bärte. Sie machen einen erschöpften Eindruck.
Die Geiselnehmer drohen erneut mit der Ermordung der beiden Ingenieure. Die Kidnapper sprechen von einem "letzten Ultimatum" und fordern die Freilassung aller Gefangenen der US-Truppen im Irak. Die irakischen Sicherheitsbehörden hatten keine Informationen, wo sich die Geiseln befinden könnten.
Die Erleichterung über das Lebenszeichen mischt sich bei der Angehörigen mit der Sorge um ihr Leben: Sie sei erleichtert, dass die beiden noch am Leben seien, sagte die Mutter von René Bräunlich. "Aber diesmal kann man sehen, dass sie Angst haben." Obwohl es gut getan habe, René lebend zu sehen, sei es aber sehr schwer gewesen, das Video anzuschauen.
Angehörige, Freunde und Kollegen wollen heute in der Leipziger Nikolaikirche bei einem Friedensgebet mit besonderem Nachdruck für die Freilassung der beiden einsetzen. Danach ist die 21. Mahnwache geplant.
ffr/AP/dpa/Reuters