Explosion in Kopenhagen Hotelbomber wollte wohl "Jyllands-Posten" attackieren
Polizeiauto vor Jyllands-Posten in Viby: Sollte hier eine Briefbombe explodieren?
Foto: Brian Rasmussen/ dpaKopenhagen - Er plante offenbar einen Anschlag auf die Zeitung "Jyllands-Posten": Der in Kopenhagen festgenommene mutmaßliche Bombenleger habe "aller Wahrscheinlichkeit nach" eine Briefbombe an die Redaktion in der Stadt Viby schicken wollen. Dies sagte der Leiter der Ermittlungen, Svend Foldager, am Freitag. Die Bombe - ein mit Sprengstoff und Metallkugeln gefüllter Umschlag - sei bereits fertiggestellt gewesen und habe die Kraft einer Handgranate gehabt. Mit der Bombe hätte demnach jemand verletzt, aber nicht getötet werden können.
Der Mann war vor einer Woche nach einer Explosion in einer Hoteltoilette in der dänischen Hauptstadt verletzt aufgegriffen worden. Er wurde wegen der "Herstellung einer Bombe mit dem Ziel einer Explosion" angeklagt. Der Sprengsatz enthielt der Polizei zufolge Triaceton-Triperoxid (TATP) - dieses Material diente bei den Terroranschlägen von London 2005 als Zünder.
Demnach explodierte die Bombe nur aus Versehen schon in dem Hotel. Der Mann erlitt Schnittwunden am Gesicht, weitere Verletzte gab es nicht. Laut Polizei handelt es sich bei dem Mann aller Wahrscheinlichkeit nach um einen Tschetschenen, der seit einigen Jahren in Belgien lebte.
Karikaturen des Propheten Mohammed
Die "Jyllands-Posten" hatte im September 2005 veröffentlicht und damit in der muslimischen Welt eine Welle der Empörung ausgelöst. Wenige Monate nach der Veröffentlichung mussten wegen einer Bombendrohung mehrere Redaktionsbüros geräumt werden, Mitarbeiter der Zeitung erhielten in der Vergangenheit mehrfach Morddrohungen. Auf den Zeichner der Karikaturen, Kurt Westergaard, wurde Anfang des Jahres ein Mordanschlag verübt, dem er aber knapp entging.
Westergaard erhielt vor einer Woche den Potsdamer Medienpreis für seine unbeugsame Haltung. Kanzlerin Angela Merkel würdigte den Mut des dänischen Karikaturisten. Als Zeichner dürfe Westergaard derartige Karikaturen fertigen. Die europäischen Staaten seien ein Ort, wo dies möglich sei. "Das Geheimnis der Freiheit ist der Mut", sagte die Kanzlerin.