Fall Marco W. EU-Kommissar schaltet sich ein
Helsinki - EU-Erweiterungskommissar Rehn sagte der finnischen Zeitung "Helsingin Sanomat", er habe mit dem türkischen Außenminister Ali Babacan über den Aspekt der Menschenrechte in der Angelegenheit Marco W. gesprochen. Die EU-Kommission verfolge den Fall des Deutschen genau: "Die türkische Regierung ist sich vollständig darüber im Klaren, dass dies mit Blick auf die Menschenrechte und die Rechtsstaatlichkeit beobachtet wird." Weiter sagte Rehn, die Regierung in Ankara versuche, den Prozess zu beschleunigen und den Fall abzuschließen. Politischer Druck könne aber eher kontraproduktiv sein.
Der 17-jährige Schüler aus Niedersachsen wird beschuldigt, im Türkei-Urlaub eine 13-jährige Britin sexuell missbraucht zu haben. Nach seinen Angaben handelte er im Einvernehmen mit dem Mädchen. Doch die britische Familie wirft ihm Vergewaltigung vor, der Anwalt des Mädchens verlangt die Höchststrafe von 15 Jahren Haft.
Eine Freilassung des Jugendlichen auf Kaution hat die türkische Justiz immer wieder abgelehnt. Der nächste Termin steht am 14. Dezember in dem Gericht in Antalya an.
Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte sich kürzlich dagegen ausgesprochen, den Fall mit der Debatte über einen türkischen EU-Beitritt zu verknüpfen. Die EU-Kommission hat die Federführung bei den Beitrittsverhandlungen der Türkei zur EU. Der Türkei ist im Zusammenhang mit ihrem Beitrittsgesuch wiederholt vorgeworfen worden, nicht genug für die Einhaltung der Menschenrechte und die Rechtsstaatlichkeit zu tun.
jul/Reuters