Fall Rahman: Asylangebot aus dem Saarland - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Fall Rahman Asylangebot aus dem Saarland

Der zum Christentum übergetretene Afghane Abdul Rahman ist auf freiem Fuß und bemüht sich um eine neue Heimat im Ausland. Asyl-Angebote gibt es unter anderem aus Deutschland. Ihm hatte wegen seiner Glaubensentscheidung die Todesstrafe gedroht.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt/Main - Abdul Rahman könnte auch in Deutschland Asyl finden. "Wenn Rahman nach Deutschland kommen will, ist er im Saarland herzlich willkommen", sagte der saarländische Ministerpräsident Peter Müller. Ähnlich äußerte sich der  Vorsitzende im Bundestags-Innenausschuss, Sebastian Edathy: "Es spricht nichts dagegen, ihn aufzunehmen." Man könne dies unbürokratisch handhaben, sagte der SPD-Politiker. Er schlug vor, dass jene Staaten, die sich für Rahmans Freilassung eingesetzt hätten, Mitverantwortung für seine Sicherheit übernehmen und sich untereinander abstimmen sollten.

Nach weltweiten Protesten war Abdul Rahman auf freien Fuß gesetzt worden. Rahman sei am Montagabend aus einem Hochsicherheitsgefängnis am Stadtrand von Kabul entlassen worden, erklärte der afghanische Justizminister Sarwar Danisch heute. Der Prozess habe wegen Verfahrensmängeln nicht fortgesetzt werden können, zudem herrsche Unklarheit über Rahmans Geisteszustand. Aus diplomatischen Kreisen verlautete, aus Sorge vor weiteren Protesten sei Rahman in ein Uno-Gebäude in Kabul gebracht worden.

Justizminister Danisch erklärte, die Prozessakte sei zum einen nicht frei von Fehlern gewesen, zum anderen hätten Rahmans Tochter und seine Cousins angegeben, dass Rahman "mentale Probleme" habe. Die Ergebnisse der psychologischen Tests, denen sich der 41-Jährige am Montag unterzogen hatte, lagen nach Angaben des stellvertretenden Staatsanwalts Mohammed Ischak Aliko bisher nicht vor. Sollte Rahman für verhandlungsfähig erklärt werden, könne er wieder vor Gericht gestellt werden, sagte Aliko. Das zuständige Gericht in Kabul hatte das Verfahren am Sonntag ausgesetzt und an die Staatsanwaltschaft zurückverwiesen.

Uno-Sprecher Adrian Edwards sagte am Montagabend in Kabul, Rahman wolle sein Heimatland verlassen und suche ein Gastland. Die Uno erwarte, dass sich ein Land zur Aufnahme des Afghanen bereit erkläre, "um zu einer friedlichen Lösung des Falls beizutragen", fügte er hinzu. Neben den deutschen Politikern Müller und Edathy hat sich auch der italienische Außenminister Gianfranco Fini bereit erklärt, Abdul Rahman in seinem Land aufzunehmen. Er werde das Kabinett am Mittwoch bitten, Rahman "Gastfreundschaft" in Italien zu gewähren.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) begrüßte die Freilassung Rahmans und nannte sie ein "vernünftiges Signal an die internationale Staatengemeinschaft". Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) erklärte im Namen der Bundesregierung: "Die afghanische Regierung hat in einer schwierigen Situation Mut bewiesen und gezeigt, dass sie für ein neues Afghanistan steht".

Rahman war vor 16 Jahren in Pakistan zum Christentum übergetreten, als er dort für eine christliche Nichtregierungsorganisation arbeitete, und lebte neun Jahre in Deutschland, bevor er 2002 in seine Heimat zurückkehrte. Vor einem Monat zeigten ihn Familienangehörige wegen seiner Konversion an. Nach islamischem Recht droht auf den Abfall vom moslemischen Glauben die Todesstrafe.

ler/AP/AFP