Falludscha Irakische Regierung stoppt Offensive
Bagdad - Seit Montag hatten sich irakische Sicherheitskräfte und US-Truppen erbitterte Straßen- und Häuserkämpfe mit Aufständischen in der sunnitischen Stadt rund 80 Kilometer nordwestlich von Bagdad geliefert. Dabei wurden nach US-Angaben bis zum Freitag 22 US-Soldaten, fünf irakische Soldaten und rund 600 Aufständische getötet. Der Nationale Sicherheitsberater Kassem Dawud geht sogar von 1000 Toten unter den Aufständischen aus. 200 seien gefangen genommen worden.
Ein erster Konvoi des Roten Halbmondes mit Hilfsgütern erreichte am Samstag die schwer zerstörte Stadt. Die Situation in Falludscha wird von Einwohnern und Hilfsorganisationen als katastrophal beschrieben. Die Sprecherin des irakischen Halbmonds, Fardous Al-Ibadi, sprach im irakischen Fernsehen von einem menschlichen Desaster. Es gebe in der ganzen Stadt kein Wasser, keinen Strom und keine medizinische Versorgung mehr. Seit Tagen könnten die große Zahl der auf den Straßen liegenden Leichen nicht geborgen werden.
Bush warnt von neuer Welle der Gewalt
Präsident George W. Bush hatte am Freitagabend gesagt, die irakischen und US-Truppen hätten bei ihrer umfassenden Offensive deutliche Fortschritte erzielt. Zugleich warnte er im Hinblick auf die Wahlen im Januar vor einer neuen Welle der Gewalt. "Der Erfolg der Demokratie im Irak wird ein vernichtender Schlag gegen die Kräfte des Terrors werden", sagte Bush auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem britischen Premierminister Tony Blair in Washington.
Vor dem von Bagdad verkündeten Ende der Offensive in Falludscha hatte US-Generalleutnant John Sattler nach Angaben des US- Nachrichtensenders CNN gesagt, die Truppen kontrollierten inzwischen 80 Prozent der zum größten Teil von ihren Einwohnern verlassenen Stadt. "Wir merken, dass wir ihr Rückgrat und ihren Kampfgeist gebrochen haben", sagte Sattler über die Aufständischen.
Ein Militärsprecher sagte, dass die US-Truppen wohl innerhalb der nächsten 72 Stunden die Kontrolle über Queens und damit über nahezu ganz Falludscha erlangen werden. Die US-Truppen träfen in der Rebellenbastion "Queens" im Süden Falludschas derzeit noch auf hartnäckigen Widerstand syrischer, tschetschenischer und anderer ausländischer Kämpfer, sagte ein Sprecher der Nachrichtenagentur Reuters. Die Soldaten hätten bei ihrem Vormarsch in dieses Gebiet bereits etwa 100 Aufständische getötet.
Zuvor war in einem Islamisten-Internetforum ein Tonband aufgetaucht, auf dem angeblich die Stimme des jordanischen Terroristen Abu Mussab al-Sarkawi zu hören ist. Der Mann auf dem Band fordert die Rebellen in Falludscha auf, weiter Widerstand zu leisten. "Das ist eine der entscheidenden Schlachten zwischen dem Islam und den Ungläubigen", heißt es auf dem Band.
Weiterhin Unruhen im Norden Iraks
Im Norden Iraks weitet sich der Widerstand gegen die US- und Regierungstruppen weiter aus. Am Samstag wurden Gefechte in Howeidscha, 60 Kilometer südwestlich von Kirkuk, mit acht Toten und 16 Verletzten gemeldet. Darunter waren auch Frauen und Kinder. In Samarra wurde ein Polizist erschossen, als er sein Haus verließ. Der Polizeichef der Stadt musste wegen des Vorwurfs der Untätigkeit zurücktreten. Bei Kirkuk setzten Unbekannte eine Ölpipeline in Brand. Eine weitere Ölleitung wurde beschädigt. Gekämpft wurde auch in Mossul und Bakuba im Norden.
Bewaffnete Aufständische stürmten am Samstagmorgen ein Hotel in Bagdad. Der arabische Nachrichtensender al-Dschasira berichtete, die Angreifer hätten einen Brand gelegt und seien in die Zimmer eingedrungen. Die Täter hätten offensichtlich Amerikaner in dem Hotel vermutet.
Die niederländische Regierung hat unterdessen ihre Absicht bekräftigt, ihre 1350 Soldaten im März nächsten Jahres aus dem Irak abzuziehen. Der Flughafen von Bagdad bleibt bis auf weiteres geschlossen. Wie die irakische Fluggesellschaft "Iraqi Airways" mitteilte, werden derzeit keine Tickets mehr ausgestellt.