Falludscha Widerstand in einer zerstörten Stadt
Bagdad - Bewaffnet mit einem M-16-Sturmgewehr steht ein US-Soldat auf einem Hausdach und sucht den Stadtteil Schuhada von Falludscha ab. Dort leisten die Rebellen den erbittertsten Widerstand gegen die US-Offensive. Das Krachen der US-Gewehre wird immer wieder unterbrochen von AK-47-Kalaschnikows, der Waffe der Rebellen.
Nach einer Woche mit Angriffen aus der Luft und am Boden haben die US-Einheiten vielleicht die Kontrolle über die Stadt erlangt, doch die Suche nach den noch verbliebenen Aufständischen könnte viel länger dauern. Die US-Armee spricht von "einigen Tagen" bis die Lage gesichert sei. In zahlreichen Gebäuden hielten sich noch Aufständische verschanzt.
Beim Kampf um Falludscha kamen bislang 38 amerikanische Soldaten ums Leben, 320 weitere wurden verwundet, teilte die US-Armee am Montagabend mit. Die Zahl der getöteten Rebellen schätzten sie auf 1200. Mehr als 1000 Rebellen haben die US-Streitkräfte nach eigenen Angaben bisher gefangen genommen. Nur rund zwei Dutzend der Gefangenen seien keine Iraker. In ersten Schätzungen war zuvor von rund 500 gefangenen Kämpfern die Rede gewesen.
Die Szenerie in der zerstörten Stadt ist gespenstisch: Schwarzer Ruß liegt auf den Schildern des Metzgers und des Schneiders. Graffiti an den Wänden rufen zum Heiligen Krieg auf. Von den Marktständen sind nur noch verbogene Metallstreben übrig. Verkohlte Leichen liegen auf der Straße.
Die Bevölkerung von Falludscha wurde über Lautsprecher und Flugblätter aufgefordert, sich an die US-Truppen zu wenden, falls medizinische Hilfe benötigt werde. Ein Konvoi des Roten Halbmonds mit Krankenwagen und Hilfsgütern kam nach Angaben der Hilfsorganisation allerdings nicht durch. Die Fahrzeuge hätten zwar das Krankenhaus am Stadtrand erreicht, seien dann aber ohne Erklärung von US-Soldaten oder irakischen Behörden zurückgeschickt worden.
Verwundete US-Soldaten berichteten im Militärkrankenhaus Landstuhl in der Pfalz von den Kämpfen. Ein Hauptgefreiter nennt den Einsatz zermürbend: "Wir kämpften dort Haus für Haus, Dach für Dach." Die Aufständischen setzten demnach kleine Gruppen maskierter Scharfschützen ein, die vor allem von Dächern aus feuerten.
Am meisten überraschte die Amerikaner wohl die gute Bewaffnung ihrer Gegner. "Die schienen Mörser und Granatmunition ohne Ende zu haben", beschreibt einer der Verletzten die Lage. Seine Einheit sei bereits unter heftigen Beschuss gekommen, als sie nur 400 Meter in die Stadt eingerückt war. "Die haben uns mit Mörsern und Granaten regelrecht eingeschlossen, die sie von überall um uns abfeuerten. Die haben die Dinger einfach wild umhergeworfen." Sogar aus Moscheen sei geschossen worden.
Neue blutige Auseinandersetzungen gab es auch in Bagdad sowie in Bakuba und Ramadi. Bei einem Granatangriff im südlichen Bagdader Stadtteil Dura kamen sieben Iraker ums Leben, sieben weitere wurden verletzt. Bei stundenlangen Feuergefechten wurden rund 40 Kilometer weiter südlich sieben irakische Sicherheitskräfte getötet. Nach Polizeiangaben griffen Bewaffnete fast gleichzeitig eine Polizeistation und einen Stützpunkt der Nationalgarde in Suwaira an.
In Bakuba nordöstlich von Bagdad kam es ebenfalls zu Gefechten zwischen Aufständischen und der irakischen Polizei. Dabei wurden nach US-Angaben mindestens 20 Rebellen getötet. Mindestens 15 Menschen wurden verwundet, darunter 4 US-Soldaten. Die amerikanische Luftwaffe warf eine 2250 Kilogramm schwere Bombe auf mutmaßliche Stellungen der Aufständischen ab. Diese hatten zuvor aus einer Moschee in Bakuba auf die irakische Polizei gefeuert und auch eine Polizeistation im Nachbarort Buhris angegriffen
Heftige Kämpfe wurden ferner aus Ramadi gemeldet, das wie Falludscha im so genannten sunnitischen Dreieck westlich von Bagdad liegt. Augenzeugen zufolge detonierten zwei Autobomben in der Nahe von US-Konvois. Über etwaige Opfer lagen zunächst keine Angaben vor. Im Norden des Iraks setzten Aufständische abermals eine Ölpipeline bei Kirkuk in Brand und griffen auch ein Erdöllager mit Pumpstation bei Mossul an. Die Öllieferungen in die Türkei mussten daraufhin unterbrochen werden.