Familienbande: Die Terror-Dynastie - DER SPIEGEL
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Familienbande Die Terror-Dynastie

Bevor er 1990 in die USA reiste, schickte "der blinde Scheich" Umar Abd al-Rahman seine beiden ältesten Söhne nach Afghanistan. Und während er in den USA hinter Gitter wanderte, haben die zwei offenbar eine Terroristenkarriere gemacht - als Zöglinge Osama Bin Ladens. Einer der beiden ist inzwischen gefasst.
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Kairo/Washington - Ahmed und Mohammed hatten nicht einmal eine abgeschlossene Ausbildung, als sie zu Rekruten im Heiligen Krieg, dem Dschihad, wurden. Das ist elf Jahre her. Ihr Vater sitzt inzwischen in einem amerikanischen Hochsicherheitsgefängnis, verurteilt wegen des ersten Anschlags auf das World Trade Center im Jahr 1993.

Ahmed könnte dieses Schicksal bald teilen. Der 35-Jährige ist der Nordallianz in die Hände gefallen. Sein in Kairo lebender Bruder Abdullah Umar Rahman sowie ein US-Offizier haben seine Gefangennahme jetzt gegenüber der "New York Times" bestätigt. Auch Mohammed soll sich noch im Kriegsland aufhalten.

Die Präsenz der beiden Söhne des "blinden Scheichs" in Afghanistan beweist nach Ansicht der Kommentatoren der US-Zeitung, dass das Vermächtnis Umar Abd al-Rahmans überlebt hat und sein Einfluss trotz seiner Verhaftung größer geworden sein könnte.

Die meisten Insider gehen nicht davon aus, dass Ahmed Abd al-Rahman bereits eine Hauptrolle im Terroristennetzwerk Osama Bin Ladens gespielt hat. "Das ist nicht der große Preis", erklärte ein US-Militär in Washington.

Mit Osama Bin Laden unterwegs?

Ahmeds Bruder Mohammed sei eine wichtigere Figur, verantwortlich unter anderem für das Rekrutieren neuer Kämpfer, sagte ein ehemaliger Anwalt der Familie, Montasser al-Zayyat, der "New York Times". Mohammeds Stimme sei auch auf einem Tonband zu hören gewesen, auf dem die Freilassung des "blinden Scheichs" gefordert wurde.

Der Jurist behauptete weiter, dass des Scheichs Söhne seit 1993 mit Osama Bin Laden unterwegs seien. Abdullah Umar Rahman bestätigte zwar, dass seine Brüder am Dschihad teilnehmen, bestritt aber, dass sie jemals zur al-Qaida-Gruppe gehört hätten. Auch hätten sie keine Verbindung zu deren Führer Osama Bin Laden. Ahmed habe in Afghanistan "Gebrauchtwagen verkauft", Mohammed "als Händler" gearbeitet.

Was den Vater angeht, so versuchen die US-Behörden seit seiner Verurteilung, ihn darin zu hindern, Propaganda zu verbreiten. Sie konnten aber nicht vermeiden, dass er von vielen Moslems als spiritueller Führer angesehen wird. Zudem konnte er immerhin im Gefängnis ein Interview geben.

In Ägypten werden seine Worte aus früheren Zeiten von einer militanten Islamisten-Gruppe verbreitet, die er in späten siebziger Jahren gegründet hat. Flugblätter mit dem Namen der Gruppe und Zitaten des Scheichs wurden 1997 auch am Ort eines Anschlags in Luxor gefunden, wo 58 ausländische Touristen getötet wurden.

"Ein Märtyrer der islamischen Sache"

In Afghanistan erklärte Osama Bin Laden den Scheich zu einem "Märtyrer der islamischen Sache", der in Amerika als Geisel festgehalten werde. Wiederholt führte der mutmaßlich für die Terroranschläge vom 11. September Verantwortliche die Inhaftierung Umar Abd al-Rahmans als einen Grund für die Feindschaft gegenüber den USA an. Zudem erwähnte er den Namen des Scheichs in seiner Erklärung des Heiligen Kriegs von 1996.

Weitere große Probleme kämen auf die USA zu, wenn der Scheich im Gefängnis sterbe, erklärte im September Yassaer al-Siri, Direktor des Islamic Observation Centers in London, der selbst der Beihilfe zum Mord an einem Führer der Nordallianz verdächtigt wird.

Andererseits scheint der Scheich früher nicht unumstritten gewesen zu sein. Als man ihn 1993 festnahm, sei es zu einer hitzigen Diskussion über mögliche Reaktionen gekommen, so die in der "New York Times" wiedergegebene Aussage eines sudanesischen ehemaligen al-Qaida-Mitglieds. In einem Quartier der Organisation in Afghanistan hätten die anwesenden Ägypter als Vergeltung einen Bombenanschlag auf die amerikanische Botschaft in Saudi-Arabien gefordert. Die al-Qaida-Saudis seien damals dagegen gewesen.

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