Festakt: Deutschland und Dänemark feiern ihre Minderheiten - DER SPIEGEL
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Festakt Deutschland und Dänemark feiern ihre Minderheiten

Als vorbildlich für Europa haben Bundeskanzler Schröder und Premier Rasmussen bei einem Festakt den Umgang der Deutschen und der Dänen mit der Minderheit des jeweils anderen Landes gepriesen. Deren Rechte waren vor 50 Jahren in den Bonn-Kopenhagener Erklärungen unterschrieben worden.
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Sonderborg - Die Bundesregierung sichert den Minderheiten in der deutsch-dänischen Grenzregion auch für die Zukunft materielle Hilfe zu. Gerhard Schröder (SPD) sagte auf einem Festakt aus Anlass des 50. Jahrestages der Bonn-Kopenhagener Erklärungen im dänischen Sonderborg, die Minderheiten in der Grenzregion könnten weiter mit Unterstützung durch die Bundesregierung rechnen.

"Wir wollen dies niemandem als Modell aufzwingen", stellte Schröder jedoch klar. Der dänische Ministerpräsident Anders Fogh Rasmussen strich die "aktive Teilnahme beider Minderheiten am kulturellen und politischen Leben" der jeweiligen Bevölkerungsmehrheit heraus. Die Bonn-Kopenhagener Erklärungen nannte er "einen großen Erfolg".

Schröder nahm den Südschleswigschen Wählerverband (SSW) gegen Kritik in Schutz. Die Partei der dänischen Minderheit wollte ursprünglich eine rot-grüne Minderheitsregierung im Kieler Landtag tolerieren. Zum selbstbewussten Auftreten der Minderheiten gehöre auch das Reklamieren gleicher Rechte, sagte Schröder. Vor allem die Union hatte das Vorgehen des von der Fünf-Prozent-Hürde befreiten SSW scharf kritisiert.

Die Feierlichkeiten zum Jahrestag fanden unter Leitung von Schröder und Rasmussen statt. In dem Vertragswerk waren 1955 die Rechte der 50.000 Angehörigen der dänischen Minderheit in Deutschland und die der 20.000 Deutschen in Dänemark garantiert worden. Schröder lobte die deutsch-dänische Minderheitenpolitik als beispielhaft und sagte, es sei gelungen, "ein Maß an Gemeinschaft zu schaffen, das in Europa seinesgleichen sucht".

Die Bonn-Kopenhagener Erklärungen waren am 29. März 1955 auf dem Petersberg bei Bonn unterzeichnet worden und hatten einen großen Fortschritt in der Aussöhnung der Länder nach dem Krieg bedeutet. Dem Papier zufolge gilt als Angehöriger der Minderheit, wer sich zu ihr bekennt. Eine staatliche Kontrolle findet nicht statt. Die Minderheiten dürfen eigene Schulen und Kindergärten unterhalten. Diese Rechte führten zudem dazu, dass für die dänische Minderheit die Fünf-Prozent-Klausel nicht gilt, was ihr zu einer Vertretung im Landesparlament von Schleswig-Holstein verholfen hat.

Die deutsch-dänische Beziehungen sind historisch durch Kriege und einen wechselnden Grenzverlauf belastet. So reichte der dänische Machtbereich noch im 19. Jahrhundert bis vor die Tore Hamburgs. 1864 mussten nach einem blutigen Krieg die Landesteile Schleswig, Holstein und Lauenburg an Preußen abgetreten werden. 1940 bis 1945 war Dänemark von Nazi-Deutschland besetzt.

Nach dem Krieg gab es erhebliche Spannungen zwischen beiden Ländern. So wurden mehr als 2000 Angehörige der deutschen Minderheit interniert, weil sie mit den Nationalsozialisten zusammengearbeitet hatten.

Auch Simonis nahm an Feierlichkeiten teil

In Deutschland gab es dagegen plötzlich ein großes Interesse am Dänentum, weil die Minderheit in den Hungerjahren von Dänemark aus unter anderem mit Essenspaketen unterstützt wurde. Die Zahl der Angehörigen der dänischen Minderheit wuchs auf 120.000 an. Viele davon wurden als so genannte Speckdänen bezeichnet, denen es nur um die Unterstützung gehe. Viele Deutsche im Grenzgebiet wurden neidisch auf die Angehörigen der Minderheit, es kam zu Anfeindungen. Erst als Dänemark den Nato-Beitritt Deutschlands mit der Lösung der Minderheitenfrage verknüpfte, wurde das Problem gelöst.

Der Festakt fand im Schloss Sonderborg statt, in dem sich die deutsche und dänische Geschichte verknüpfte: Das ursprünglich 1170 errichtete Schloss war der Sitz dänischer Adeliger, wurde aber nach dem preußischen Sieg im deutsch-dänischen Krieg von 1864 preußische Infanteriekaserne. Erst nach einer Volksabstimmung 1920 kehrte der Landesteil nach Dänemark zurück.

Nach dem Festakt, an dem auch die noch amtierende schleswig-holsteinische Ministerpräsidentin Heide Simonis und ihr mutmaßlicher Nachfolger Peter Harry Carstensen teilnahm, war ein Meinungsaustausch der Regierungschefs vorgesehen.

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