Fischer in Saudi-Arabien Einigkeit über Terror-Bekämpfung
Riad - Der saudi-arabische Außenminister Prinz Saud al-Faisal sprach sich gegenüber Joschka Fischer klar für ein Ende des Taliban-Regimes und die Einsetzung einer neuen, gewaltfreien Regierung in Afghanistan aus. Beide waren sich einig in den Grundfragen der Bekämpfung des Terrorismus. Das Land will nun offenbar auch versuchen, sein Ansehen zu verbessern und den Ruf als möglicher Unterstützer von Osama Bin Laden loszuwerden. Der Terroristenführer kommt ursprünglich aus Saudi-Arabien, und vor wenigen Tagen wurden auch mehrere Anhänger in Saudi-Arabien festgenommen.
Der Wüstenstaat hatte die Anschläge in den USA zwar bereits zuvor entschieden verurteilt und auch seine diplomatischen Beziehungen zu den Taliban abgebrochen, äußerte sich allerdings auch skeptisch gegenüber den anhaltenden Militärschlägen der Amerikaner.
Ähnlich wie andere Nachbarländer beschäftigt Saudi-Arabien die Frage, wie lange die Militäraktionen noch anhalten sollen. Einige der arabischen Länder, darunter auch Pakistan, haben bereits offiziell auf ein Ende der vor rund zwei Woche begonnenen Aktionen vor Beginn des islamischen Fastenmonats Ramadan Mitte November gedrängt.
Die Zukunft Afghanistans
"Wir haben lange über die zukünftige politische Lösung nach den Taliban gesprochen", sagte Fischer. Dabei sei man sich einig gewesen, dass kein Machtvakuum nach dem Ende der Taliban entstehen dürfe. Saudi-Arabien teile die EU-Ansicht, nach einer innerafghanischen Lösung zu suchen. Dabei werde für den Übergang der ehemalige König Sahir Schah eine wichtige Rolle spielen. Der 87-jährige Ex-Monarch strebt die Bildung einer Übergangsregierung an, in der Vertreter aller afghanischen Volksgruppen vertreten sein sollen. "Es muss eine Regierung sein, die den Terror nicht mehr unterstützt", sagte Fischer.
"Ich habe Saudi-Arabien gebeten, sich intensiv bei der humanitären Hilfe zu engagieren", sagte der Grünen-Minister. Saudi-Arabien hatte vor einer Woche einen Fonds für die Hilfe der afghanischen Flüchtlinge eingerichtet, in dem am Dienstag etwa 80 Millionen Mark eingegangen waren, hieß es aus diplomatischen Kreisen. Der saudi-arabische Außenminister sagte weitere Hilfsmaßnahmen zu und kündigte an, er werde am kommenden Donnerstag nach Pakistan reisen.
Der deutsche Außenminister war am Montagabend in Riad eingetroffen. Saudi-Arabien ist die erste Station seiner einwöchigen Nahost-Reise. Noch am Nachmittag will Fischer nach Teheran weiterreisen und dort am Mittwoch unter anderen den iranischen Präsidenten Mohammed Chatami treffen. Donnerstag und Freitag wird der deutsche Außenminister in Israel und den Palästinensergebieten seine Vermittlungsbemühungen im Nahost-Konflikt fortsetzen.