Fischers Appell: Saddams letzte Chance - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Fischers Appell Saddams letzte Chance

Deutschland und die Türkei haben einen gemeinsamen Appell an den Irak gerichtet. Saddam Hussein solle seine letzte Chance nutzen, um den drohenden Krieg noch abzuwenden.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Istanbul - Fischer begrüßte am Freitag bei einem Treffen mit seinem Amtskollegen Yasar Yakis die Ergebnisse der von der Türkei einberufenen Regionalkonferenz zum Irak als starke Botschaft an Saddam Hussein. Die Türkei und fünf Nahostländer hatten das Regime in Bagdad zu einer aktiveren Zusammenarbeit mit den Uno-Waffeninspekteuren bei deren Suche nach Massenvernichtungswaffen aufgerufen. In einer in der Nacht zum Freitag in Istanbul veröffentlichten Erklärung bekräftigten die Außenminister der Türkei, Syriens, Jordaniens, Saudi-Arabiens, Ägyptens und Irans, dass Krieg keine Option für die Lösung der Krise sein dürfe. Die USA wurden nicht ausdrücklich genannt.

Fischer und Yakis riefen Bagdad dazu auf, den Auflagen der Uno- Waffeninspektionen vollständig nachzukommen. "Wir kooperieren sehr eng, um eine Militäraktion zu vermeiden", sagte Fischer. Yakis sprach nach Angaben aus Delegationskreisen wie zuvor auch der türkische Ministerpräsident Abdullah Gül von einer "letzten Chance", die Bagdad nutzen müsse. "Das Gespenst des Krieges türmt sich drohend auf", hieß es in der Schlusserklärung der Istanbuler Konferenz. Die Länder der Region wollten keinen weiteren Krieg.

Bagdad wurde aufgefordert, entschiedene Schritte für eine nationale Aussöhnung mit den Kurden im Norden und den Schiiten im Süden zu unternehmen, wobei die Souveränität und die territoriale Integrität des Landes gewahrt werden solle. Eine direkte Aufforderung zum Rücktritt des irakischen Präsidenten Saddam Husseins und einem Gang ins Exil stand in Istanbul nicht auf der Tagesordnung.

Fischer äußerte Verständnis für die Schwierigkeiten der Türkei in der Irak-Frage. Das Nato-Land hat sich zu einer begrenzten Unterstützung der USA für einen möglichen Militärschlag bereit erklärt. Yakis sagte: "Je mehr Druck auf den Irak ausgeübt wird, umso wahrscheinlicher wird eine friedliche Lösung." Fischer bekräftigte erneut seine Besorgnis angesichts der Risiken einer Militäraktion für die regionale Stabilität.

Fischer war am Donnerstag in Istanbul eingetroffen, um sich über die Ergebnisse der Regional-Konferenz zu informieren. Am Rande traf er die Außenminister Saudi-Arabiens und Irans zu Gesprächen. Am Freitag standen zudem Treffen mit den Chefdiplomaten Jordaniens und Syriens auf dem Programm. Alle vier Länder sind Nachbarn des Iraks. Fischer will noch heute weiter nach Kairo und dann nach Jordanien reisen. Der Minister will am Montag seine EU-Amtskollegen in Brüssel über die Ergebnisse der Reise informieren.

Im Gespräch mit Gül hatte Fischer am Donnerstagabend die Forderung nach einer Verlängerung der Uno-Waffeninspektionen im Irak erneuert. Die Lage sei ernst, weitere Inspektionen seien notwendig. Am kommenden Montag legt Uno-Chefwaffeninspekteur Hans Blix einen möglicherweise über Krieg oder Frieden entscheidenden Irak-Bericht vor. Deutschland, das ab 1. Februar die Präsidentschaft im Uno-Sicherheitsrat iinehat, drängt aber auf einen weiteren Bericht von Blix.

Mehr lesen über