Florida-Amoklauf: Kampf um Waffenrecht ist Kampf der Kulturen - Kommentar - DER SPIEGEL
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USA: Nicht ohne meine Waffe

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Roland Nelles

meinung •Waffenrecht in den USA Kampf der Kulturen

Der Aufstand der Teenager gegen die Waffenlobby erhält viel Zuspruch. Doch für Amerikas Probleme mit Amokläufern wird es keine einfachen Lösungen geben. Denn es geht um mehr als Gewehre und Pistolen.
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Es scheint doch alles so einfach zu sein: Diese schrecklichen Massaker an Amerikas Schulen lösen einen Proteststurm von sympathischen jungen Leuten aus, endlich könnten die laschen amerikanischen Waffengesetze geändert werden. Nur die Betonköpfe von der Waffenlobby und einige Verschwörungstheoretiker stehen noch im Weg.

Ist es so einfach? Die Antwort lautet leider: nein. Schön wär's. Amerikas alter, quälender Streit um Waffen ist vielschichtiger, komplizierter als es auf den ersten Blick erscheint. Deshalb wird es für ihn vermutlich auch keine schnelle, einfache Lösung geben. Der Konflikt markiert einen Bruch, der seit Langem die amerikanische Gesellschaft prägt und der mit der Wahl von Donald Trump zum Präsidenten einmal mehr deutlich sichtbar geworden ist.

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Trump trifft Schüler aus Parkland: "Ich verstehe euch"

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Es ist ein Kampf der Kulturen: Auf der einen Seite stehen die "liberalen" Bewohner von Ost- und Westküste, Studenten von Universitäten, Multikulti-Aktivisten, das aufgeklärte Bürgertum. Auf der anderen Seite sind die freiheitsliebenden Bewohner der sogenannten "Fly-over-States" zwischen Ost und West, denen ein zentraler Staat, der scheinbar alles bestimmt, suspekt ist. Sie sind mit der Waffe aufgewachsen, sie symbolisiert für sie nicht nur das Recht auf Selbstverteidigung, sondern auch das Recht auf Selbstbestimmung. Das kann man als Europäer seltsam finden, aber dieses Denken der ersten Siedler in den Weiten des Westens ist tief in der amerikanischen Kultur verankert.

Donald Trump gibt diesen Menschen eine Stimme, so wie Barack Obama der anderen Seite des politischen Spektrums seine Stimme lieh. Wenn der Präsident laut über die Bewaffnung der Lehrer nachdenkt, schreien die Liberalen entsetzt auf. Aber er spricht nur aus, was viele seiner Wähler an der Basis der Republikaner denken. Verschärfungen der Waffengesetze sind diesen Menschen - wenn überhaupt - nur in homöopathischen Dosen zuzumuten.

Selbst viele Eltern und Schüler aus Florida sehen die Dinge so wie der Präsident: Wenn sie Trump nun weinend zum Handeln auffordern, bedeutet das nicht unbedingt, dass sie von ihm ein Verbot von Waffen erwarten. Im Gegenteil: Trumps Idee, dass Waffen in den Händen von Lehrern für mehr Sicherheit sorgen, dürfte vielen von ihnen durchaus logisch erscheinen.

Die Protestbewegung braucht vor allem Ausdauer

Auch die Waffenlobby, die "National Rifle Association" (NRA) ist nicht irgendeine obskure Sekte, sondern dahinter stehen Millionen von Amerikanern. In vielen Staaten sind die Ansichten der NRA-Oberen der Mainstream. Das führt dazu, dass etliche Kongressabgeordnete aus diesen Staaten die Ansichten der Waffenlobby verteidigen, andernfalls müssten sie um ihre Wiederwahl fürchten. Übrigens gilt das sowohl für Republikaner als auch für Demokraten. Das macht Lösungen im Parlament in Washington so schwierig.

Das bedeutet nicht, dass der Aufstand der Teenager gegen die Waffenlobby vergebens sein muss. Natürlich könnten sie die Debatte zu ihren Gunsten verändern. Sie müssen die Unentschlossenen für sich gewinnen, all jene, die seit Jahren zwischen den beiden unversöhnlichen Lagern pendeln - und die stets den Ausschlag dafür geben, welche der beiden Seiten im Land die Mehrheit stellt. Wenn dies gelingt, dann kann sich auch bei Amerikas Waffengesetzen wirklich etwas verändern.

Dafür brauchen die Protestler aber einen langen Atem. Sie müssen durchhalten und kämpfen. Denn auch das ist leider wahr: In Amerika ist die Aufmerksamkeitsspanne des Publikums kurz. Und das nächste große Thema ist oft nur einen Tweet entfernt.

Im Video: Trump will Lehrer bewaffnet sehen:

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