Flüchtlingselend: "Eine furchtbare Reise" - DER SPIEGEL
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Flüchtlingselend "Eine furchtbare Reise"

Während Hunderttausende versuchen aus Afghanistan zu fliehen, wird die Not in der Region immer größer. Profitieren können von der Situation nur wenige: Menschenhändler, die den Verzweifelten versprechen, sie sicher über die Grenze ins benachbarte Pakistan zu bringen.
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Nach Angaben des Flüchtlings-Hochkommissariats der Vereinten Nationen (UNHCR) sind Hunderttausende in Afghanistan auf der Flucht. Allein in Kandahar - dem Hauptquartier der Taliban - haben nach Schätzung 80 Prozent der Einwohner ihre Stadt verlassen. Doch der Weg ist abgeschnitten: Am Samstag hat Pakistan seine Grenzübergänge erneut geschlossen, nachdem am Freitag rund 3000 Menschen ins Land geströmt waren.

Menschenschmuggler, die in der Grenzstadt Chaman warten, verlangen zwischen 2000 Rupien (umgerechnet rund 70 Mark) und 40 Dollar (rund 87 Mark) pro Familie, um sie illegal über die Grenz zu bringen. Das ist der Preis für Sicherheit. Um die Summe zu bezahlen, verkaufen die Familien alles, was sie haben. Auch von Dschalalabad versuchen Hunderte über den Khyber-Pass nach Pakistan zu kommen, berichten Einwohner der Region. Rund 2300 Menschen trafen in einem provisorischen Lager bei Peschawar ein und "leben dort in elenden Verhältnissen", berichten Vertreter des Uno-Flüchtlingshilfswerks. Auffällig sei, dass viele Familien ohne Männer unterwegs seien. Die seien entweder tot oder im Kampf.

Nach Schätzung des UNHCR-Beamten Daniel Endres in Islamabad sind allein in Chaman 2000 Flüchtlinge gestrandet. "Sie kommen hier ohne einen Pfennig an, klopfen an alle Türen und betteln um Lebensmittel, Geld, alles", berichtet der in Chaman lebende Ajnabi Gul Aga der Nachrichtenagentur AP per Telefon.

Der 50-jährige Samjullah, ein Ladenbesitzer aus Dschalalabad, hat mit seiner Frau und drei Kindern die Flucht nach Pakistan geschafft. Für den achtstündigen Ritt auf Mauleseln habe er pro Person umgerechnet rund 54 Mark zahlen müssen. "Wir haben die ganze Zeit nichts zu essen gehabt", sagt er. "Es war eine furchtbare Reise, aber wir haben Glück, dass wir das Geld hatten, diese Leute zu bezahlen."

Inzwischen haben alle Nachbarländer Afghanistans ihre Grenzen geschlossen, weil sie erneut einen Flüchtlingsexodus befürchten. In den vergangenen Bürgerkriegsjahren mussten sie immer wieder Millionen von Flüchtlinge aufnehmen. Viele afghanische Zivilisten fliehen jetzt daher aufs Land und ins Gebirge, berichten Uno-Mitarbeiter.

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