Flugzeugentführung Drei Tote nach Erstürmung
Riad/Medina - Bei den Getöteten handelt es sich nach Angaben des Moskauer Kreml um einen Passagier, einen Flugbegleiter und einen Entführer. Andere Quellen sprechen von drei getöteten Luftpiraten. 128 Geiseln konnten befreit werden. Augenzeugen berichten von einem verletzten Passagier. Bei der Erstürmung wurden drei Luftpiraten festgenommen, bestätigten die russische Behörden.
Saudische Sicherheitskräfte hatten das Flugzeug vom Typ Tupolew 154 zuvor umstellt, um einen Weiterflug der aufgetankten Maschine zu verhindern. Nachdem die Verhandlungen in den frühen Morgenstunden ins Stocken geraten waren, sei es nicht mehr auszuschließen, dass die Sicherheitskräfte die Maschine stürmen könnten, hatten die Behörden zuvor mitgeteilt.
Bei den Entführern, die bereits am Donnerstagabend erste Geiseln freigelassen hatten, soll es sich nach Angaben aus russischen und arabischen Quellen um mehrere Tschetschenen handeln. Nach Angaben von Beobachtern sollen bis zu vier Männer die Tupolew nach den Start in Istanbul in ihre Gewalt gebracht haben. Die Entführer sollen mit Messern und möglicherweise auch Sprengstoff bewaffnet sein.
Über die Zahl und die Umstände der Freilassung erster Geiseln gab es in der Nacht zum Freitag unterschiedliche Angaben. Ein Sprecher der russischen Botschaft in der saudiarabischen Hauptstadt Riad erklärte, 40 Geiseln hätten das Flugzeug verlassen können. Nach offiziellen Angaben des Flughafensprechers in Medina waren es 45 Passagiere. Als Gegenleistung für die Freilassungen war die Maschine aufgetankt worden. 15 Geiseln konnten fliehen, berichtete die offizielle saudische Nachrichtenagentur SPA. Noch immer sollen sich 100 Passagiere an Bord des Flugzeugs befinden.
Ende des russischen Tschetschenienfeldzugs
Die Tu-154 gehört der russischen Gesellschaft "Wnukowo Airlines".
Ihr Direktor Alex Klimow sagte im russischen Fernsehen RTR nach einem
Funkgespräch mit dem Piloten, die Entführer hätten die sofortige
Einstellung des russischen Feldzugs in der abtrünnigen Kaukasusrepublik Tschetschenien gefordert. Dort kämpfen Rebellen seit Jahren für die Unabhängigkeit der Kaukasusrepublik von Russland. Das Satelliten-
Fernsehen aus Katar wie auch RTR meldeten, die Entführer wollten weiter nach
Afghanistan fliegen.
Die Maschine war um 13.30 Uhr (Ortszeit) in Istanbul zum Flug nach
Moskau gestartet. Eine halbe Stunde später übernahmen die Kidnapper
das Kommando. Der türkische Verkehrsministers Enis Öksüz hatte berichtet, es habe ein Handgemenge zwischen den Luftpiraten und den Piloten gegeben. Dabei habe die Maschine vorübergehend bedrohlich an Höhe verloren. Um 16.30 Uhr (MEZ) landete die dreistrahlige Maschine
in Medina. Die saudischen Behörden wie auch die russische Regierung
bildeten Krisenstäbe.