Flugzeugentführung: Luftpirat war früher Minister - DER SPIEGEL
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Flugzeugentführung Luftpirat war früher Minister

Nach der Erstürmung der entführten Maschine in Medina gibt es erste Hinweise auf die Täter. Einer von ihnen soll ein ehemaliger hochrangiger Politiker Tschetscheniens sein.
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Riad/Medina - Bei der Erstürmung wurden drei Luftpiraten festgenommen, bestätigten die russische Behörden. Einer der Entführer soll der frühere tschetschenische Innenminister Aslambek Arsajew sein. Wie die Agentur Itar-Tass meldete, war Arsajew bis 1999 so genannter Minister für Überwachung des islamischen Scharia-Gesetzes in Tschetschenien. Auch sein Bruder Supjan zähle mutmaßlich zu den Entführern.

Türkische Sicherheitskreise identifizierten den dritten Terroristen angeblich als Mohammed Toktschan, meldete Itar-Tass aus Ankara. Toktschan hatte an der Spitze eines Tschetschenen-Kommandos im Januar 1996 das türkische Schiff "Avrasja" mit 200 Menschen an Bord entführt, um einen Abzug der russischen Truppen im ersten Tschetschenien-Krieg zu erzwingen.

Den Namen des vierten Mannes wurde mit Magomersajew angegeben.

Bei der Erstürmung der Maschine wurden drei Menschen getötet. Es handelt sich dabei nach Angaben des Moskauer Kreml um einen Passagier, einer Flugbegleiterin und den vierten Entführer. 128 Geiseln konnten befreit werden. Ein Mitarbeiter des Tschetschenien-Beauftragten der Regierung in Moskau sagte, höchstwahrscheinlich habe einer der mutmaßlich tschetschenischen Luftpiraten bei der Erstürmung der Stewardess die Kehle durchgeschnitten. Den russischen Angaben stand die Aussage eines Mitgliedes des Ärzteteams am Flughafen von Medina gegenüber, es seien drei der Luftpiraten getötet worden. Unter den Passagieren habe es nur Verletzte gegeben.

Bereits in der Nacht hatten die Kidnapper 40 Geiseln freigelassen. Als Gegenleistung war die Maschine aufgetankt worden. 15 Geiseln konnten fliehen, berichtete die offizielle saudische Nachrichtenagentur SPA. Als das Flugzeug gestürmt wurde, befanden sich noch mehr als 100 Passagiere an Bord des Flugzeugs.

Ende des russischen Tschetschenienfeldzugs

Die Tu-154 gehört der russischen Gesellschaft "Wnukowo Airlines". Ihr Direktor Alex Klimow sagte im russischen Fernsehen RTR nach einem Funkgespräch mit dem Piloten, die Entführer hätten die sofortige Einstellung des russischen Feldzugs in der abtrünnigen Kaukasusrepublik Tschetschenien gefordert. Dort kämpfen Rebellen seit Jahren für die Unabhängigkeit der Kaukasusrepublik von Russland. Das Satelliten-Fernsehen aus Katar wie auch RTR meldeten, die Entführer wollten weiter nach Afghanistan fliegen.


Die Maschine war am Donnerstag um 13.30 Uhr (Ortszeit) in Istanbul zum Flug nach Moskau gestartet. Eine halbe Stunde später übernahmen die Kidnapper das Kommando. Der türkische Verkehrsministers Enis Öksüz hatte berichtet, es habe ein Handgemenge zwischen den Luftpiraten und den Piloten gegeben. Dabei habe die Maschine vorübergehend bedrohlich an Höhe verloren. Um 16.30 Uhr (MEZ) landete die dreistrahlige Maschine in Medina. Die saudischen Behörden wie auch die russische Regierung bildeten Krisenstäbe.