Was der Krieg hinterlässt: Das lange Leiden der Zivilbevölkerung
Fotodokumentation Die Kriegsverlierer
Hamburg - Es ist ein bedrückendes Buch. In elf Portraits zeigt Till Mayer, was der Krieg hinterlässt, wenn die Waffen schweigen - überall auf der Welt. Menschen ohne Perspektive, geschundenes Land, Hunger, Leid. Der Reporter und Fotograf ist in den vergangenen Jahren dorthin gereist, wo die großen TV-Sender längst schon ihre Scheinwerfer ausgeknipst haben oder niemals waren.
Hauptberuflich arbeitet Till Mayer als Redakteur für das "Obermain-Tagblatt", ehrenamtlich engagiert er sich beim , und mit den Katastrophenhelfern vom DRK und vom Internationalen Roten Kreuz reist er seit 15 Jahren in die Kriegsgebiete und Krisenregionen Afrikas und Asiens. Viele seiner Reportagen und Fotos sind zuerst auf SPIEGEL ONLINE erschienen.
- Er war im bürgerkriegsgebeutelten Äthiopien, wo Väter ihre verhungerten Kinder im dürregehärteten Boden begraben müssen.
- Er war in Kambodscha, wo bis heute täglich Minen explodieren und Menschen verstümmeln - jedes dritte Opfer ist ein Kind.
- Er war in Burma beim Volk der Karen, die seit 60 Jahren für einen eigenen Staat kämpfen.
- Er war in Vietnam, wo auch mehr als drei Jahrzehnte nach dem Einsatz des Pflanzengiftes Agent Orange durch die US-Truppen als Folge noch schwer behinderte Kinder geboren werden.
- Und er reiste in die USA, um den Vietnam-Veteranen Barry Romo zu interviewen, den die Bilder vom Dschungelkrieg auch 40 Jahre jede Nacht in seinen Träumen verfolgen.
Elf Schicksale sagen die Wahrheit über den Krieg
Mayer beschreibt das leise Sterben, das durch fehlendes Trinkwasser, mangelnde Medikamente und zu wenig Nahrung ausgelöst wird. Er zeigt die Versehrten mit Krücken und Prothesen, die in ihrer nicht für Behinderte eingerichteten Welt neue Perspektiven suchen. Er schildert, wie Menschen im Krieg verrohen und ihren Opfern kaltblütig Leid zufügen.
Elf Schicksale sagen die eine Wahrheit über den Krieg: Er kennt am Ende nur Verlierer.
Zusammen mit dem Roten Kreuz und dem "Münchner Merkur" hat Mayer eine Wanderausstellung seiner Fotos konzipiert, die jetzt erstmals im Bayerischen Landtag in München gezeigt wird.
Für die Eröffnung der Ausstellung konnte Mayer einen seiner Protagonisten gewinnen - Vietnam-Veteran Romo. Der US-Amerikaner kämpft gegen seine eigene Schuld und die quälenden Alpträume, indem er sich als Botschafter des Friedens engagiert. Denn er hat am eigenen Leib erfahren, was Mayer als Fazit von seinen Reportagereisen mitgebracht hat: Mit dem Ende des Krieges endet das Leiden noch lange nicht.
Die Ausstellung "Abseits der Schlachtfelder" ist vom 29.09. bis 14.10. 2010 im Bayerischen Landtag in München zu sehen. Montag bis Donnerstag 9 bis 16 Uhr, Freitag 9 bis 13 Uhr. Der Eintritt ist frei.