Krieg in Syrien: Schaukeln neben Gräbern
Fotos aus Syriens Bürgerkrieg Kinderspiel über der Leichengrube
Hamburg - Es sind verstörende Bilder, die ein Fotograf der Nachrichtenagentur AP aus der syrischen Provinz Idlib im Norden des Landes mitgebracht hat: Kinder spielen zwischen Gräbern; ein Junge schaukelt neben frisch ausgehobenen Gruben. In öffentlichen Parks werden Tote bestattet, denn die Friedhöfe seien zu Zielen der Truppen des Regimes von Baschar al-Assad geworden, berichten Bewohner.
Ein Totengräber sagte, die syrische Armee lasse ihn und seine Kollegen nicht mehr zum Friedhof, um Gräber auszuheben. Zudem sei es zu gefährlich, auf dem Friedhöfen zu arbeiten, sagt ein anderer. Das letzte Mal seien vier Kugeln auf ihn abgefeuert worden.
In den umkämpften syrischen Städten und Dörfern werden Beerdigungen oft zu Protestkundgebungen, bei denen die Aufständischen zeigen wollen, dass sie sich nicht unterkriegen lassen.
Schon zuvor mieden Oppositionelle in Städten wie Homs und Idlib die öffentlichen Krankenhäuser und wichen aus in Behelfslazarette. Denn in den staatlichen Kliniken fürchten sie, von Assads Truppen gefangen, gefoltert, verstümmelt oder sofort umgebracht zu werden.
Auch am Samstag haben Assads Truppen die Bombardierung der Protesthochburg Homs ausgeweitet und dem Roten Kreuz Zugang zu der seit Wochen eingeschlossenen Bevölkerung verweigert. Die Armee nahm einen Wohnbezirk unter Beschuss, in den Tausende Zivilisten geflohen waren, wie Aktivisten und Mitarbeiter von Hilfsorganisationen berichteten. Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon sprach von "grausigen Berichten über standrechtliche Erschießungen, willkürliche Festnahmen und Folter" in der drittgrößten Stadt des Landes.