Frankreich Atomgegner blockieren Castor-Transport
Castor-Blockade in Frankreich: Atomgegner haben sich an die Gleise gekettet
Foto: KENZO TRIBOUILLARD / AFPParis - Es wird ein langer Weg für den Castor-Transport mit hoch radioaktivem Atommüll nach Deutschland: Bereits kurz nach seinem Start in Frankreich haben Atomkraftgegner den Zug am Freitagnachmittag aufgehalten. In der Nähe von Caen in der Normandie hatten sich vier Atomkraftgegner nach Polizeiangaben an die Gleise gekettet.
Nach einer mehrstündigen Blockade konnte der Zug am frühen Freitagabend weiterfahren. Die Demonstranten gehörten zur französischen Gruppe "Groupe d'actions non-violentes antinucléaires" (deutsch: Aktionsgruppe nicht gewalttätiger Atomkraftgegner).
Der Zug mit den elf Spezialbehältern hatte um 14.20 Uhr den Bahnhof von Valognes verlassen. Er ist auf dem Weg in das niedersächsische Gorleben. In der Nähe des deutschen Zwischenlagers werden am Wochenende die größten Anti-Atom-Demonstrationen seit Jahrzehnten mit mehr als 30.000 Menschen erwartet. Der Zug soll am Samstagmittag die deutsche Grenze erreichen und dann nach Norden in Richtung Gorleben rollen.
In Deutschland wollen die Organisatoren der Anti-Atom-Kampagne "Castor schottern" trotz der Warnungen der Polizei Steine aus dem Gleisbett der Transportstrecke entfernen. "Auf jeden Fall wird noch am Sonntag mit dem Schottern begonnen", sagte ein Sprecher im Wendland. "Der Castor wird nicht durchkommen." Die Polizei hat angekündigt, die Gruppe besonders im Auge zu behalten. Mittlerweile haben etwa 1500 Einzelpersonen und mehr als 280 Gruppen den Internetaufruf der Kampagne unterzeichnet. Die Staatsanwaltschaft Lüneburg will gegen alle Unterzeichner Ermittlungsverfahren einleiten.
16.500 Polizisten sollen für Sicherheit sorgen. Der Castor-Einsatz könnte den Steuerzahler nach Schätzung der Deutschen Polizeigewerkschaft bis zu 50 Millionen Euro kosten. Gewerkschaftschef Rainer Wendt forderte deshalb eine entsprechende "Schutzgebühr" der Atomkonzerne.
Zahlreiche Spitzenpolitiker der Grünen wollen sich an Demonstrationen und Sitzblockaden gegen den Castor-Transport nach Gorleben beteiligen. Die Grünen-Bundes- und die Landesvorstände wollten damit gemeinsam ihren Widerstand gegen die gefährlich falsche Atomlobby-Politik der Bundesregierung ausdrücken, sagte Grünen-Chefin Claudia Roth am Freitag in Trebel bei Gorleben nach einer gemeinsamen Sitzung der Vorstände. "Wir werden uns an zahlreichen Demonstrationen beteiligen", sagte sie. Zudem habe man zur Teilnahme an den Sitzblockaden aufgerufen. "Die Sitzblockade ist Zeichen des zivilen Widerstandes einer lebendigen, bürgerrechtsorientierten Demokratie", betonte die Grünen-Vorsitzende.