Frankreich: Juppé will Präsident werden - DER SPIEGEL
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Frankreichs nächste Präsidentschaftswahl Juppés Frühstart überrumpelt Sarkozy

Alain Juppé will als Kandidat der Konservativen antreten. Drei Jahre vor den Präsidentschaftswahlen 2017 hat der UMP-Politiker Konkurrenten aus seiner Partei überrumpelt - sein gefährlichster Kontrahent ist Ex-Staatschef Nicolas Sarkozy.
Kandidat Juppé: "Frankreich aus der Flaute holen"
Kandidat Juppé: "Frankreich aus der Flaute holen"

Kandidat Juppé: "Frankreich aus der Flaute holen"

Foto: KENZO TRIBOUILLARD/ AFP
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Pünktlich zum Ende der politischen Sommerpause hat sich Alain Juppé erklärt: "Ich habe mich entschieden, zum gegebenen Zeitpunkt als Kandidat bei den künftigen Vorwahlen anzutreten", lautete die schlichte Mitteilung des Oppositionspolitikers am Mittwoch auf seinem Blog-Eintrag . Der Bürgermeister von Bordeaux hofft nun, in internen Wahlen von den Konservativen zum Spitzenkandidaten für die Wahl 2017 gemacht zu werden.

Selbstverständlich gehe es ihm, der sich gern vornehm und zurückhaltend gibt, nicht um persönliche Ambitionen, sondern vor allem um die Zukunft der Nation, schreibt Juppé: "Wir müssen gewinnen, um Frankreich aus der Flaute zu holen, in der das Land heute stagniert."

Der Frühstart beim Rennen um den Elysée ist ein gewiefter Schachzug. Denn Juppé ist mit seinem Coup der gesamten parteiinternen Konkurrenz zuvorgekommen. Er, der seit dem UMP-Parteispendenskandal zusammen mit zwei Ex-Premier-Kollegen die Konservativen führt, hat sich damit an die Spitze des Kandidatenfeldes manövriert.

Abgehängt ist François Fillon, ehemaliger Ministerpräsident und Mitglied der UMP-Troika, der sich bereits beim Kampf um die Parteiführung aufgerieben hat. Juppé dagegen hielt sich im Hintergrund und pflegte den Status des "Weisen" - fern aller Machtkämpfe und Intrigen.

"Der Beste unter uns"

In der Meinung der Franzosen rückte der Ex-Premier, den Präsident Jacques Chirac einst als den "Besten unter uns" lobte, damit in die Poleposition der Beliebtheitsskala. Vergessen scheint der arrogante Regierungsstil, der ihm einst nachgesagt wurde, und vergessen eine Finanzaffäre, für die er die politische Verantwortung übernahm und 2004 auch verurteilt wurde. Dabei war ihm persönliche Bereicherung nicht nachgewiesen worden.

Geblieben ist indessen der Nimbus des Gentleman, der sich als Siegelwahrer des Gaullismus und der nationalen Überzeugungen profiliert. Seine Annäherung an die Wähler des Zentrums erwies sich als politisch klug, es bescherte ihm das Image des moderaten Konservativen, der darauf verzichtet mit ideologischen Anleihen bei den Rechtsextremisten des Front National auf Stimmenfang zu gehen. Stattdessen propagiert Juppé eine Rückkehr zu den wahren Werten der Fünften Republik.

Juppé 2017 wird unter seinen konservativen Konkurrenten einen Hauptgegner haben: Nicolas Sarkozy. Der Ex-Präsident, der nach seiner Niederlage den Abschied aus der Politik und einen "andere Form des Engagements" für Frankreich versprochen hatte, plant seit Langem sein Comeback - trotz Verwicklungen in ein halbes Dutzend Affären und Skandale.

Warnung vor Spaltungen der Konservativen

Bei Besuchen in der Provinz und Auslandsreisen brachte er sich immer wieder mit verklausulierten Absichtserklärungen ins Gespräch, bevor er in einem verschwurbelten Interview vor der Sommerpause seine Entscheidung für den September ankündigte. Selbst mit den Ferienfotos aus der Sommerfrische machte der ehemalige Präsident auf sich aufmerksam: Das Bild von Sarkozy und Gattin Carla Bruni auf einem Motorroller zierte den Titel von "Paris Match" und sorgte für eine Kontroverse - die beiden waren ohne Helm unterwegs.

Mit seiner Vorpreschen hat Juppé den Konkurrenten vorläufig überholt. Sein "Programm für ein starkes Frankreich" will Juppé durch Primaries der UMP-Basis bestätigen lassen - ganz nach dem Vorbild der Sozialisten. So könnte er die programmatische Debatte in der Partei beherrschen.

Nur mit dieser "Kultur der neuen Demokratie" sei der Sieg über die "sozialistische Ideologie" und die Rechtsextremen möglich, die ein "verbarrikadiertes Frankreich" anstrebten, schreibt Juppé. Und an die Adresse seiner Konkurrenten richtet er die Warnung vor Zerwürfnissen und Spaltungen der Konservativen. Nur über den Weg einer "breiten, offenen Auswahl", so Juppé, "ist eine "Kandidatur der Einheit möglich."