Frankreich Kopftuch-Verbot mit praktischen Hindernissen
Paris - Vergangene Woche löste Erziehungsminister Ferry im französischen Parlament Befremden aus: Wenn im Namen des Laizismus, also der strikten Trennung von Staat und Glauben, wirklich alle "auffälligen" religiösen Symbole untersagt werden sollen, müssten darunter auch die Turbane der Sikhs oder etwa bestimmte Barttrachten fallen.
Jugendliche, so Ferry, seien sehr kreativ im Erfinden von Zeichen und würden zweifellos versuchen, das Verbot zu umgehen. Viele Abgeordnete glauben nun, dass sich das Gesetz in der Praxis nicht klar anwenden lässt. Übermäßige Strenge könnte gar einen Religionskrieg auslösen.
Innenminister Nicolas Sarkozy hält die Vorlage für eine "Dummheit". Doch die große Mehrheit der Volksvertreter will das Gesetz im Schnellverfahren verabschieden. "Der Radikalisierung der Islamisten auf der Straße entspricht jetzt die Radikalisierung der Parlamentarier", klagt der Rektor der Pariser Großen Moschee, Dalil Boubakeur, er fürchte einen "laizistischen Fundamentalismus".