Frankreich-USA Bush lädt Sarkozy nach Hause ein
Washington/Paris - US-Präsident George W. Bush wird Nicolas Sarkozy auf dem Anwesen seiner Familie in Kennebunkport im Bundesstaat Maine empfangen - dies teilte der Sprecher des Weißen Hauses, Tony Snow, in Washington mit. Es werde ein "informelles Treffen" sein, betonte er.
Sarkozy verbringt gerade seinen Sommerurlaub im etwa 80 Kilometer entfernten Wolfeboro im Nachbarbundesstaat New Hampshire. Bush war kürzlich auch mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin auf dem Familiensitz in dem Ferienort an der Ostküste zusammengetroffen.
"Es sieht so aus, als ob wir am Beginn einer neuen Ära der Beziehungen mit den Franzosen stehen", sagte Snow. Sarkozys Vorgänger Jacques Chirac gehörte zu den schärfsten Kritikern der US-geführten Invasion im Irak vor vier Jahren. Die Beziehungen beider Länder haben sich aber seither wieder verbessert. Bush hat seinen neuen Kollegen, der im Mai gewählt wurde, als klug und fähig gelobt. Bush freue sich sehr auf die Zusammenarbeit mit Sarkozy "in den kommenden Monaten und Jahren", sagte Präsidenten-Sprecher Snow.
Opposition will Untersuchungsausschuss wegen Libyen-Deal
Unterdessen hat das französische Waffengeschäft mit Libyen ein innenpolitisches Nachspiel in Frankreich. Die sozialistische Opposition habe einen Untersuchungsausschuss beantragt, sagte heute eine Sprecherin des Parlaments. Der Ausschuss solle die Hintergründe des Rüstungshandels klären, der kurz nach der Freilassung der bulgarischen Krankenschwestern aus Libyen bekannt geworden war. Präsident Sarkozy hatte mehrfach betont, dass es "keine Gegenleistung" gegeben habe. Während die deutsche Regierung sich zurückhaltend gab, hatten Politiker aus Union und SPD scharfe Kritik an dem Deal geäußert.
"Das Zusammenfallen beider Ereignisse, die widersprüchlichen Stellungnahmen dazu und vor allem die Annäherung Frankreichs an einen Staat, der sich nicht um Menschenrechte schert, verlangen nach einer Aufklärung", heißt es in dem Resolutionsentwurf der sozialistischen Gruppe in Paris. Nach Informationen der Zeitung "Le Monde" hat die Aussicht auf die Rüstungsgeschäfte mit Frankreich die Freilassung der Krankenschwestern beschleunigt.
Die Bulgarinnen und ein palästinensisch-bulgarischer Arzt waren in Libyen zum Tod verurteilt worden, weil sie angeblich mehr als 400 libysche Kinder mit dem HI- Virus infiziert haben sollen. Sie kamen frei, nachdem die Europäische Union Entschädigungszahlungen zugesagt hatte.
flo/Reuters/dpa