Frankreichs Presse: "Armer Chirac" - DER SPIEGEL
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Frankreichs Presse "Armer Chirac"

Im Ergebnis der ersten Runde der Parlamentswahl sieht die französische Presse eine Aburteilung der letzten Regierung. Präsident Jacques Chirac diene seinem Nachfolger Nicolas Sarkozy als "Fußabtreter".
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"Libération": "Die gestrige Wahl war auch eine schreckliche Verurteilung der letzten Regierung, der doch der neue Präsident Nicolas Sarkozy angehörte. Die gesamte Rechte findet keine ausreichend harten Worte, um die "Bewegungslosigkeit" zu verurteilen, aus der wir angeblich gerade hervorgehen. Armer Jacques Chirac: Er dient seinen zum neuen Meister übergelaufenen alten Freunden als Fußabtreter. Von seinem Erbe wird zweifellos nichts bleiben. Wo Sarkozy hintritt, wächst das Gras Chiracs nicht mehr."

"Le Figaro": "Wenn es eine Lustlosigkeit gibt, dann bei den Wählern der Linken (...). Und wenn jemand entmutigt ist, dann die Wähler der kleinen Parteien, des Zentrums und der Extremen, die sich darüber klar geworden sind, wie wenig es in einem bipolaren Frankreich nützt, am Rande zu spielen. (...) Nun ist es ganz deutlich zu sehen: Die Franzosen wollen einen Wandel, und sie wollen, dass dieser schnell kommt. Sie wollen weder eine Koalition noch ein Tauziehen. In der Tat wurde selten ein Reformprojekt so gut vorbereitet. Selten ist eine Mannschaft mit einer solchen Liste von Maßnahmen und praktisch fertigen Entwürfen an die Macht gelangt.(...) Alles ist also bereit für die Aktion."

"Est-Républicain": "Dies ist eine schallende Ohrfeige, die die Sozialistische Partei (PS), und die Linke im Allgemeinen zur Erneuerung zwingt. Wenn ihnen diese nicht gelingt, werden sie Mühe haben, ihre Wähler wiederzugewinnen. Im übrigen haben sich die Franzosen für politische Kohärenz entschieden. Sie öffnen dem Präsidenten Nicolas Sarkozy die Türen für die sehr bereite Mehrheit, die er für sein Reformprogramm einforderte. (...) Die Sarkozy-Ära hat mit Schwung begonnen. Die PS hat sich nicht als Gegenmacht positioniert, sondern war nur bemüht, den Schaden zu begrenzen."

"Corriere della Sera" (Italien): "Der Sieg der Rechten bei der ersten Runde der französischen Parlamentswahlen ist erdrückend und zudem noch größer ausgefallen, als in den Umfragen vorausgesagt. Die Partei von Nicolas Sarkozy und deren Verbündete könnten über 450 Abgeordnetensitze erobern. (...) Eine der Ursachen für diesen Ausgang ist die sehr geringe Wahlbeteiligung, die die Linke bestraft hat.

Der Erfolg Sarkozys bei den Präsidentenwahlen hat in weiten Teilen der französischen Gesellschaft ein Gefühl einer nicht mehr aufzuhaltenden Entwicklung ausgelöst. In der Tat ist die Parlamentswahl zu einer Art von Ratifizierung des Ergebnisses der Präsidentenwahl geworden, statt dass sie als ein entscheidendes Ereignis in der politischen Auseinandersetzung betrachtet wurde. Die zeitliche Nähe der beiden Abstimmungen hat die Parlamentswahlen zu einem Referendum über den Mann im Elysee-Palast gemacht, ohne weitere Mechanismen der Kontrolle, der Überprüfung und des Gleichgewichts."

"Basler Zeitung" (Schweiz): "Der politische Horizont ist für Frankreichs neue Staatsführung so wolkenlos blau wie die Parteicouleur der Wahlsieger. Die Stimmbürger waren konsequent, sie bestätigten gestern ihr Votum bei den Präsidentschaftswahlen. Das wahre Ausmaß des Triumphs wird erst in einer Woche sichtbar, wenn nach den Stichwahlen die definitive Sitzverteilung bekannt ist. Der gestrige erste Durchgang der französischen Parlamentswahlen lässt bereits den Schluss zu, dass die Wähler ihrem neuen Präsidenten Nicolas Sarkozy und seiner Regierung nicht nur eine klare Mehrheit geben, sondern ihm praktisch einen Blankoscheck für seine Reformpolitik ausstellen."

als/dpa