Friedensmission Powell will Arafat noch einmal treffen
Jerusalem - Powell sprach vor einem Treffen mit palästinensischen Politikern davon, seine Vermittlungsbemühungen zwischen Israel und den Palästinensern machten Fortschritte. Er könne jedoch noch nicht sagen, ob am Ende eine offizielle Waffenruhe stehe. Am Mittwoch will Powell in Kairo mit dem ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak und in Ramallah erneut mit Palästinenserpräsident Jassir Arafat zusammentreffen.
In Jerusalem verbreitete Powell Optimismus, hielt sich aber bedeckt: "Wir machen Fortschritte, aber ich will jetzt nicht ins Detail gehen, was wir erreichen können und was nicht", sagte er und fügte hinzu, für ihn sei "der Begriff Waffenruhe nicht so wichtig wie das, was dann am Ende wirklich geschieht. Wir arbeiten an einem Plan".
Powell traf am Abend erneut mit Israels Ministerpräsident Ariel Scharon zusammen. Über den Inhalt des einstündigen Gesprächs wurde nichts bekannt. Palästinensische und US-Experten arbeiteten nach israelischen Angaben an einer geplanten gemeinsamen Erklärung, in der die Palästinenser ausdrücklich einen Gewaltverzicht gegenüber Israel erklären wollen.
Die israelische Armee setzte ihre Suche nach palästinensischen Extremisten in mehreren arabischen Orten fort. Ungeachtet der Ankündigung von Ministerpräsident Scharon, die Armee werde sich aus den Städten Nablus und Dschenin "innerhalb einer Woche" zurückziehen, drangen am frühen Dienstagmorgen Panzereinheiten vorübergehend in die autonome Stadt Tulkarm ein und nahmen mindestens neun Palästinenser fest. Israel hatte sich erst am 9. April aus der Stadt zurückgezogen.
Soldaten besetzten am Morgen auch die Orte Abu Dis und Asarieh östlich von Jerusalem und verhängten dort Ausgangssperren über die Bevölkerung. Aus israelischen Armeekreisen hieß es, man habe zuvor Hinweise auf einen geplantem Terroranschlag von Palästinensern aus diesen Orten erhalten. Bei der Besetzung des Flüchtlingslagers Askar bei Nablus wurde ein palästinensischer Junge getötet. Nach Augenzeugenberichten wurden auch hier zahlreiche Palästinenser festgenommen.
Nach israelischen Presseberichten haben die israelischen Behörden angesichts der Festnahme von mehr als 4000 Palästinensern das berüchtigte Gefangenenlager Keziot in der Negev-Wüste wieder geöffnet. Das Lager hatte bereits während des ersten Palästinenseraufstands von 1987 bis 1993 als Gefängnis für Tausende Palästinenser einen zweifelhaften Ruf. Nach Angaben Scharons hat die Armee seit Beginn ihrer Offensive im Westjordanland mindestens 5000 illegale Waffen konfisziert.
Im tagelang heftig umkämpften Flüchtlingslager von Dschenin setzten Vertreter des palästinensischen Halbmonds und des Roten Kreuzes die Suche nach überlebenden und getöteten Lagerbewohnern fort. Bei den Straßenkämpfen waren nach Armee-Angaben mehrere dutzend Palästinenser und 23 israelische Soldaten ums Leben gekommen. Laut Armeeführung haben Extremisten Leichen mit Sprengstoff versehen. Zudem lägen noch zahlreiche Minen und unentschärfte Bomben im Lager.
Nach Angaben des Roten Halbmonds berichteten Lagerbewohner inzwischen, sie hätten auch Tage nach dem Ende der Kämpfe noch vereinzelt Schreie unter den Trümmern gehört. In dem Flüchtlingslager leben rund 15.000 Menschen auf etwa einem Quadratkilometer. Amnesty International sprach von "Hunderten von Toten" und rief den Weltsicherheitsrat zu einer dringenden Untersuchung auf. Die EU kritisierte, dass die Hilfsorganisationen von Israel noch immer keinen vollen Zugang zu den Palästinensergebieten bekämen.
Führende palästinensische Politiker reagierten am Dienstag wütend auf die Festnahme des Intifada-Führers Marwan Barguti am Vortag in Ramallah. Der palästinensische Kabinettssekretär Ahmed Abd al-Rachman warnte vor Racheanschlägen, sollte Israel Barguti etwas zu Leide tun. Auch der palästinensische Geheimdienstchef Dschibril Radschub sagte, es werde Israel teuer zu stehen kommen, sollte es "Barguti auch nur ein Haar krümmen". Scharon kündigte inzwischen an, dass Barguti vor ein israelisches Gericht gestellt werden solle. Israel macht ihn für zahlreiche tödliche Anschläge gegen Israelis verantwortlich. Die israelische Zeitung "Jediot Acharonot" zitierte Mitarbeiter Scharons mit den Worten, Barguti werde "mindestens 150 bis 200 Jahre Gefängnis" bekommen.