Friedensnobelpreis für Carter "Der beste Ex-Präsident, den die USA je hatten"
Oslo - "Wir haben uns stets an die internationale Gemeinschaft gewandt, um sicherzustellen, dass unsere eigene Macht und unser Einfluss von einer möglichst breiten gemeinsamen Urteilskraft mit beeinflusst wird", sagte Carter bei der feierlichen Zeremonie im Rathaus der norwegischen Hauptstadt. "Superstärke ist nicht dasselbe wie Superweisheit".
Erst am Vortag hatte er sich ausdrücklich gegen einen militärischen Alleingang der USA gegen den Irak ausgesprochen und jede Militäraktion für den Fall abgelehnt, dass das Regime in Bagdad alle Verpflichtungen gegenüber dem Uno-Sicherheitsrat erfüllt.
Als zentrales globales Problem überhaupt bezeichnete der US-Politiker die weiter wachsende Kluft zwischen Arm und Reich. "Es ist tragisch, dass es in der industrialisierten Welt so wenig Verständnis oder Bekümmerung für diejenigen gibt, die ihr Leben in Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit zubringen müssen."
Statt in ein "Jahrtausend des Friedens" einzutreten, sei die Welt heute vielfach ein gefährlicherer Ort geworden. Das Reisen und die Kommunikation fielen heute deutlich leichter, das Verständnis und der gegenseitige Respekt hätten mit dieser Entwicklung jedoch nicht Schritt gehalten. "Wir werden nicht lernen, in Frieden zu leben, wenn wir gegenseitig auf unsere Kinder schießen", sagte Carter.
Das norwegische Nobelkomitee hatte Carter den Nobelpreis im Oktober als drittem Präsidenten der USA nach Theodore Roosevelt (1906) und Thomas Woodrow Wilson (1919) zuerkannt. Es begründete die Vergabe an den 78-Jährigen mit dessen "jahrzehntelangem Einsatz zur friedlichen Lösung internationaler Konflikte", wollte seine Entscheidung aber auch als Kritik an der Irak-Politik von US-Präsident George W. Bush verstanden wissen - ein in der Geschichte des Nobelpreises äußerst ungewöhnlicher Vorgang.
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Komiteechef Gunnar Berge sagte in seiner Laudatio, Carter habe den Preis eigentlich schon 1978 zusammen mit dem damaligen ägyptischen Präsidenten Anwar al-Sadat und Israels Premierminister Menachem Begin für den Friedensvertrag von Camp David bekommen sollen. Dies sei aber aus formalen Gründen wegen nicht termingerechter Nominierung unmöglich gewesen. Berge erklärte zu Camp David: "Selten hat ein Mittler eine wichtigere Rolle gespielt als Carter bei dieser Gelegenheit."
Carter war 1976 bis 1980 Präsident der Vereinigten Staaten und hat sich danach häufig als politischer Mittler und für die Durchsetzung von Menschenrechten betätigt. "Jimmy Carter ist vermutlich nicht der effektivste Präsident der Vereinigten Staaten gewesen", sagte Berge. "Aber er ist sicher der beste Ex-Präsident, den das Land jemals hatte." Der Nobelpreis ist mit umgerechnet 1,1 Millionen Euro dotiert und wurde im Osloer Rathaus im Beisein des norwegischen Königs Harald V. überreicht.