meinung •Friedensnobelpreis für Juan Manuel Santos Jetzt erst recht
Juan Manuel Santos, kolumbianischer Präsident und Friedensnobelpreisträger
Foto: © Eduardo Munoz / ReutersWer Frieden will, braucht Mut. Wer Frieden in ein vom jahrzehntelangen Bürgerkrieg zerrüttetes Land bringen will, braucht sehr viel Mut. Für seinen Mut wird Juan Manuel Santos zu Recht mit dem Friedensnobelpreis gewürdigt.
Die Auszeichnung ist ein klares Signal an Kolumbien und seinen Präsidenten, den eingeschlagenen Weg nicht zu verlassen, obwohl sein Friedensplan gerade bei einem Referendum knapp abgelehnt wurde. Denn die Gefahr eines neuen Gewaltausbruchs ist real, das schreibt auch das Komitee in seiner Begründung.
Wer kann nach einem Bürgerkrieg, in dem 220.000 Menschen gestorben sind und sechs Millionen vertrieben, noch mehr Opfer wollen? Santos hat den Preis am Freitag im Namen aller Kolumbianer entgegengenommen, "denn sie haben in diesem Krieg so viel gelitten".
Tatsächlich haben in Kolumbien viele Gegenden und Dörfer, die einmal heftig umkämpft waren, bei dem Referendum für Frieden gestimmt. Jene Menschen, die teilweise täglich Gewalt erlebt haben, sehnen sich nach einem Ende des Konflikts.
Das Wissen um ihr Leid sollte Antrieb sein, die (teilweise auch berechtigten) Bedenken in anderen Teilen des Volks zu überwinden.
Auch in diesem Jahr ist die Ehrung als Ansporn zu verstehen. Schon in der Vergangenheit hat das Nobelkomitee politische Signale gesetzt, etwa indem es den US-Präsidenten Barack Obama nach seiner Rede in Kairo ausgezeichnet hat. Es war eine Ehrung weniger für Taten als für Ankündigungen. Sollten nicht besser unbekannte Aktivisten geehrt werden, die aber bereits Konkretes geleistet haben und mit der Auszeichnung in ihrer Arbeit ermutigt würden? Das ist eine berechtigte Frage.
In diesem Jahr aber war die Entscheidung richtig, einem Präsidenten den Preis zu verleihen, dessen Werk noch nicht vollendet ist. Es ist ein politischer Friedensnobelpreis im besten Sinne. Gebt nicht auf, lautet das Signal. Frieden ist der richtige Weg. Er ist es immer.
Der Nobelpreis ist somit auch ein Appell an die Kolumbianer, jetzt zusammenzustehen - und an Santos' politische Gegner, den Friedensprozess konstruktiv zu begleiten und nicht mit scharfen Worten zu bekämpfen.
Der Nobelpreis setzt ein Ausrufezeichen hinter Tage voller Fragezeichen. Denn bis zu diesem Freitag waren viele Kolumbianer nach dem Referendum ratlos, und auch angsterfüllt, vor dem, was kommen möge. Santos hatte zwar angekündigt, nicht aufgeben zu wollen und sich bis zum Ende seiner Amtszeit für ein Ende des Kriegs zu engagieren, aber unklar war für viele dennoch, wie es weitergehen solle.
Nun können sie neuen Mut schöpfen. Der Friedensprozess wird neuen Schwung bekommen.
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