Fujimori: Massenproteste fordern sechs Todesopfer - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Fujimori Massenproteste fordern sechs Todesopfer

Brennende Banken, Schießereien, Tote und Verletzte: Ungeachtet eines Aufrufs der Opposition zum friedlichen Protest wurde die Vereidigung des peruanischen Präsidenten Alberto Fujimori haben von gewaltsamen Ausschreitungen begleitet
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Lima - Demonstranten lieferten sich am Freitag Straßenschlachten mit der Polizei, die Tränengas in die Menge feuerte. Dutzende Menschen wurden verletzt. Die sechs Leichen fand die Feuerwehr in den Trümmern eines von Demonstranten angezündeten Bankgebäudes. Die Polizei nahm 80 Personen fest. Zu Beginn der Rede Fujimoris im Anschluss an die Vereidigungszeremonie verließen Abgeordnete der Opposition den Saal.

Die Menge zog durch die Stadt und skandierte "Die Diktatur wird fallen". Die Regierung hatte 40.000 Polizisten im Einsatz. Bei mindestens zwei der in dem Bankgebäude entdeckten Opfer handelte es sich offenbar um Wachmänner, wie die Feuerwehr mitteilte. Auch ein früheres Gebäude des Bildungsministeriums wurde in Brand gesteckt.

Feuerwehrleute verhandelten mit den Demonstranten, die den Rettungskräften zunächst den Zugang zu dem Gebäude verweigerten. Schließlich durften die Feuerwehrleute die schwer verletzten Wachleute des Ministeriums in Krankenhäuser bringen; die Flammen durften sie jedoch nicht löschen.

Auch das Büro der Wahlkommission wurde in Brand gesteckt. Am späten Nachmittag griff die Menge den Justizpalast und den Nationalpalast an. Mindestens 80 Personen wurden verletzt, vier von ihnen erlitten Schusswunden. Nach Einbruch der Dunkelheit flauten die Proteste ab, vereinzelt kam es aber noch immer zu Zusammenstößen mit der Polizei. Auch in Arequipa, der zweitgrößten Stadt des Landes, brachen Unruhen aus.

Fujimori, der am Freitag 62 Jahre alt wurde, trug bei der Vereidigung zu seiner dritten Amtszeit die rot-weiße Präsidentenschärpe und hob strahlend seine Arme zum Siegeszeichen, während er von oppositionellen Abgeordneten beschimpft wurde. Die Unruhen erwähnte er in seiner Rede nicht. Er erklärte, er wolle in seiner fünfjährigen Amtszeit die demokratischen Institutionen stärken und Arbeitsplätze schaffen.

Oppositionsführer Alejandro Toledo, der zum friedlichen Widerstand aufgerufen hatte, bedauerte die Ausschreitungen und schrieb sie Provokateuren zu, die von der Regierung beauftragt worden seien. Die Regierung wies die Anschuldigung zurück.

Bei einer Pressekonferenz am Abend sagte Toledo, Fujimori habe sich bei seiner Vereidigung hinter Panzern und Gewehren verstecken müssen. Der Wirtschaftswissenschaftler hatte Fujimori nach der ersten Runde der Präsidentschaftswahl Manipulation vorgeworfen und die Stichwahl am 28. Mai boykottiert.

Fujimori war erstmals 1990 gewählt worden. 1992 löste er das Parlament auf und änderte die Verfassung, um sich eine zweite Amtszeit zu ermöglichen. 1995 wurde er wiedergewählt. Obwohl die neue Verfassung nur zwei Amtszeiten eines Präsidenten vorsieht, trat Fujimori im Mai erneut an. Auch internationale Beobachter hatten vor der Stichwahl von Manipulationen gesprochen und sich geweigert, die Abstimmung zu beaufsichtigen.