Gaza-Abzug In Kfar Darom hat noch niemand gepackt
Kfar Darom - In Kfar Darom sind keine Umzugskartons und keine Lastwagen zu sehen. Nichts deutet darauf hin, dass die rund 500 Einwohner wegziehen werden. Die Menschen in der streng religiös orientierten jüdischen Siedlung haben noch nicht einmal persönliche Gegenstände eingepackt. In den vergangenen Wochen haben sich in der Gemeinde vielmehr zahlreiche Sympathisanten eingefunden, und alle wollen gegen die bevorstehende Zwangsräumung so viel Widerstand wie möglich leisten.
Seit Montag ist es jüdischen Siedlern verboten, sich im Gazastreifen aufzuhalten. Sicherheitskräfte haben am Morgen mit der Zustellung von Räumungsbescheiden begonnen, die 8500 Siedler haben 48 Stunden, um ihre Häuser freiwillig zu verlassen. Ab Mittwoch beginnen die Sicherheitskräfte mit der Zwangsräumung des 1967 besetzten Gebiets.
Kfar Darom liegt isoliert von anderen jüdischen Siedlungen und ist von der palästinensischen Stadt Deir al-Balah nur durch mehrere Zäune und Mauern getrennt. Zwei Jahre nach seiner Gründung wurde der Kibbuz 1948 nach dreimonatiger ägyptischer Belagerung evakuiert. Nach dem Sechs-Tage-Krieg 1967 errichtete Israel dort einen Militärstützpunkt. 1989 zogen die ersten Siedler in das Gebiet, mit dem Versprechen, dass Kfar Darom "nie wieder fallen soll". Viele Siedler im Gazastreifen sind überzeugt, dass sie mit ihrem Leben dort eine Prophezeiung erfüllen. Für die Palästinenser kommen die Siedlungen dagegen einer Kolonisierung ihres Landes gleich.
Die Menschen in Kfar Darom sind nicht die einzigen, die ihre langjährige Heimat nicht freiwillig verlassen wollen. In der Vehemenz ihres angekündigten Widerstandes unterscheiden sie sich jedoch deutlich von anderen: Die Siedlung Peat Sadeh gleicht inzwischen einer Geisterstadt. In Netzer Hazani hat bereits jede fünfte Familie ihre Sachen gepackt, obwohl auch sie nicht gern weggezogen sind. Mosche Engel aus der größten jüdischen Siedlung Neve Dekalim rechnet damit, dass bis zum Ablauf des Ultimatums ein Drittel der Einwohner ihre Häuser verlassen hat.
Ein sündhafter Plan
In Kfar Darom ist noch kein einziger gegangen. Keiner habe auch nur eine Tasche gepackt, sagt Sarah Friedmann stolz. Sie ist zwar mittlerweile aus Kfar Darom ins Westjordanland umgezogen, hat sich mit ihren drei kleinen Kindern jetzt aber in einem Zelt eingerichtet, um die Siedler zu unterstützen. "Die Menschen in Kfar Darom ziehen nicht um", sagt sie. Siedler Jaakov Goldberg spricht von einem "sündhaften Plan", den niemand unterstützen werde. Viele Siedler haben vor, sich mit psychischem Druck auf die Sicherheitskräfte zur Wehr setzen. Friedmann will alle Soldaten einladen und ihnen die Spielsachen ihrer Kinder zeigen.
Die querschnittsgelähmte Chana Barat hat angekündigt, die Soldaten "emotional zu bekämpfen" und an ihr Gewissen zu appellieren. Beim Kampf um Kfar Darum gehe es nicht nur um die jüdischen Siedlungen, sagt Schela Rosenak Schorschan. Er sei vielmehr "eine Schlacht zwischen Licht und Finsternis" und ein Krieg gegen den "islamischen Extremismus, der die Welt überziehen" wolle. "Ich rette dieses Land für meine Kinder", erklärt Friedmann. Ihre Kinder seien nicht im Gazastreifen geboren worden, um ihre Wurzeln zu verlieren und heimatlos zu werden. "Wenn wir hier scheitern und unsere Häuser Terroristen in die Hände fallen, ist nicht einmal mehr ein Baby in Afula sicher", sagt sie mit Blick auf die Stadt im Norden Israels.
Barat betont, der Geist von Kfar Darom werde selbst bei einer Zwangsräumung nicht gebrochen werden. Auch dann "haben wir gewonnen, weil wir stark und standhaft geblieben sind".
Von Amy Teibel, AP