Geburtskirche Betlehem "Gefährliche" Palästinenser nach Zypern ausgeflogen
Betlehem/Nikosia/Madrid - Zwölf der 13 militanten Palästinenser, die eine britische Militärmaschine nach Zypern ausflog, kamen in der Hafenstadt Larnaka in einem Hotel unter strenge Polizeibewachung. Ein Mann wurde wegen einer unbehandelten Schussverletzung in ein Krankenhaus der Stadt eingeliefert.
Nach einer Vereinbarung mit der EU sollen die Palästinenser, die nach israelischen Angaben dem palästinensischen Geheimdienst, der Fatah-Organisation Jassir Arafats, den "Al-Aksa-Märtyrer-Brigaden" und der radikal-islamischen Hamas-Organisation angehören, auf mehrere Mitgliedsländer der Union verteilt werden. Auch Kanada bot an, einige der Extremisten aufzunehmen.
In ihren Aufnahmeländern sollen die Palästinenser nicht in Haft genommen werden. Es sei allerdings noch unklar, ob sie in den Aufnahmestaaten in irgendeiner Form überwacht werden sollten, verlautete aus Kreisen der spanischen EU-Ratspräsidentschaft in Madrid. Darüber sollten an diesem Montag die EU-Außenminister in Brüssel beraten.
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Die 26 Palästinenser, die per Bus im Gaza-Streifen eintrafen, gaben sich ungeachtet ihrer schlechten körperlichen Verfassung herausfordernd. "Wir werden unseren Kampf gegen die israelische Besatzung und Erniedrigung nicht aufgeben. Wir werden bis zum Ende des Weges weiterkämpfen", sagte ein 24-jähriger Kämpfer der Al-Aksa-Brigaden. Ein Vertreter der Autonomiebehörde bezeichnete die Männer als "Helden".
Die übrigen 84 palästinensischen Zivilisten in der Geburtskirche kamen frei. Zehn linksgerichtete Unterstützer der Palästinenser aus Europa und Amerika, die sich an den israelischen Truppen vorbei in die Kirche geschmuggelt hatten, sollten nach Angaben von Radio Israel abgeschoben werden.
Die Krise um die Geburtskirche hatte am 2. April begonnen, als die israelische Armee mit einer Offensive im Westjordanland auf eine Welle blutiger Terroranschläge reagierte und auch Betlehem besetzte. Rund 200 militante Palästinenser flüchteten in die Basilika und verschanzten sich dort. Die israelischen Truppen zogen einen Belagerungsring. Einzelne Palästinenser und kleinere Gruppen verließen nach und nach die Kirche. Acht wurden von israelischen Scharfschützen erschossen. Nach israelischer Darstellung hatten sie zuerst auf die Soldaten geschossen oder beabsichtigten dies.
Peres: Abzug aus Betlehem steht bevor
Der israelische Außenminister Peres kündigte bei einem Treffen mit dem vatikanischen Staatssekretär (Regierungschef) Kardinal Angelo Sodano ab, ein Abzug der israelischen Armee aus Betlehem stehe bevor. Dies sei eine Frage "von Stunden oder Tagen", wurde der Minister von italienischen Medien zitiert. Vor allem der Vatikan hatte sich energisch für ein Ende der Blockade und eine Ausreiseerlaubnis für die in der Kirche belagerten Palästinenser eingesetzt.
Israelische Armeeoffiziere in Betlehem sagten jedoch, ein Abzug der Truppen werde erst nach einer Durchsuchung der Geburtskirche durch amerikanische Spezialisten beginnen. Die Amerikaner sollen nach zurückgelassenen Waffen und möglichen Sprengfallen in der Basilika suchen.