Geheimprogramm Briten bauen neue Atomwaffe
London - Laut des Berichts hat die Regierung Blair die Entwicklung einer neuen britischen Nuklearwaffe bereits nach der vergangenen Wahl im Mai 2005 initiiert. Offiziell dagegen geben die Verantwortlichen an, noch keine Entscheidung über eine Nachfolge für das überalterte "Trident"-Waffensystem gefällt zu haben.
Die Arbeiten würden gemeinsam mit den USA vorangetrieben, berichtete die Zeitung unter Berufung auf einen hochrangigen Beamten. Die Entwickler am südenglischen Atomwaffenzentrum Aldermaston bemühen sich demnach, die neue Waffe aus bislang schon bekannten und erprobten Komponenten zusammenzubauen. Die Regierung wolle dabei nicht gegen den Bann von Atomwaffentests verstoßen.
Die "Sunday Times" zitierte den Beamten mit den Worten: "Wir müssen etwas konstruieren, das wir nie testen können, und müssen dennoch absolut sicher sein, dass es funktioniert, wenn man es einsetzt."
Das Geheimprojekt, sollte es bestätigt werden, wird die Diskussion über die Atomrüstung weiter antreiben. Schon seit längerem argumentieren britische Kritiker, dass sich eine Neuentwicklung nicht mit den Appellen an Iran und andere Länder vereinbaren ließe.
Andererseits findet das Vorhaben auch Zuspruch: In einem Leitartikel zum Thema verweist die "Times" zum einen auf die anhaltende Bedrohung durch irrationale Regime mit nuklearen Potenzialen, zum anderen - typisch britisch - auf den EU-Partner Frankreich. Wörtlich heißt es: "Ganz geradeaus, wollen wir wirklich den Franzosen die Rolle als Europas einzige Atommacht überlassen?"
Sowohl die britischen Wähler, als auch Tony Blairs eigene Partei mögen zu dem Thema eine andere Meinung haben. Sollten sich die Informationen bestätigen, dass Blair die Waffenentwicklung an Parlament und Partei vorbei beauftragt hat, müsste er sich wohl auf kritische Fragen aus den Reihen seiner eigenen Labour-Partei einstellen. Seit der Stern des Premiers in der Öffentlichkeit sinkt, mehren sich auch innerparteilich die Rufe nach einem Wechsel an der Spitze noch im Laufe dieses Jahres. Designierter Nachfolger ist der auch bei den Wählern populäre Gordon Brown.
Die Wechselstimmung bei den Wählern wächst derzeit zügig. In einer ebenfalls in der "Sunday Times" veröffentlichten aktuellen Meinungsumfrage sprachen sich 41 Prozent der Befragten dafür aus, dass Blair noch im Laufe dieses Jahres das Zepter an Brown übergeben sollte. Das, argumentiert die "Times", sei keine Minderheit, sondern die Mehrheit der 79 Prozent, die überhaupt eine Meinung zu dem Thema hätten.
pat/AFP