Gesunkenes Atom-U-Boot Die Zeit wird knapp
Hamburg/Moskau/Oslo - Mit Hilfe der Rettungskapsel sollen die Besatzungsmitglieder der "Kursk" aus der Meerestiefe in Sicherheit gebracht werden. Ein Militärsprecher sagte, verschiedene Boote der russischen Flotte hätten zuletzt am Dienstagnachmittag Klopfzeichen der "Kursk"-Besatzung durch elektronische Geräte geortet.
Zwei Versuche am Dienstagabend und in der Nacht zum Mittwoch waren gescheitert, weil die Kapsel wegen rauer See und schlechter Sichtverhältnisse unter Wasser nicht an das U-Boot andocken konnte. Nach dem Andocken soll sie jeweils 15 bis 20 Besatzungsmitglieder aufnehmen. Sollte die Rettung mit Hilfe der Kapsel misslingen, erwägt die russische Marine die Bergung des U-Bootes durch Pontons.
Nach Marine-Angaben wird der Sauerstoff in dem U-Boot in 108 Metern Tiefe vermutlich noch bis Freitag reichen. Die "Kursk" war nach russischen Angaben am Sonntag in der Barentssee gesunken. Norwegen teilte aber mit, der Zwischenfall habe sich bereits einen Tag zuvor ereignet. Unglücksursache sei vermutlich eine Explosion in der vorderen Torpedokammer gewesen. Der Reaktor des atomgetriebenen U-Boots wurde abgeschaltet. Erhöhte radioaktive Strahlung wurde nach norwegischen Angaben nicht gemessen. Die "Kursk" hat nach offiziellen Angaben keine Atomwaffen an Bord.
Ein britisches Rettungs-U-Boot steht in Schottland bereit, um unverzüglich bei der Bergung der Seeleute aus der "Kursk" zu helfen. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums bestätigte, die britische Regierung habe ein Transportflugzeug gechartert, in das das Spezial-Tauchboot verladen werden könne. Das Boot LR5 stehe auf dem Flughafen von Prestwick samt Mannschaft bereit, um ausgeflogen zu werden, sobald die Russen darum bäten.
Die Bergung der Mannschaft mit U-Booten scheint der einzige Weg zu sein. Die Besatzung könne unmöglich schwimmend durch die Torpedorohre flüchten, hieß es aus Marinekreisen gegenüber SPIEGEL ONLINE. Schon bei einem Ausstieg aus 80 Metern wird damit gerechnet, dass nur 15 Prozent der Besatzung überleben. Der Druck in diesen Tiefen ist zu groß. "Die Lungen der Soldaten platzen", so ein Experte. Hinzu kommt, dass die "Kursk" nur Torpedorohre im Bugbereich hat, der vermutlich überflutet ist.
Der Oberste Flottenchef Wladimir Kurojedow berichtete bereits, dass die "Kursk" schwere Schäden im Bugbereich habe. In Russland wird deshalb spekuliert, dass es im Torpedoraum zu einer Explosion gekommen sei. Es wird aber auch nicht ausgeschlossen, dass das U-Boot auf eine Mine aus dem Zweiten Weltkrieg aufgelaufen ist.