Giftgas in Syrien: Chemiewaffen-Einsatz im Bürgerkrieg - DER SPIEGEL
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Bürgerkrieg in Syrien: Tote und Verletzte bei angeblichem Giftgasangriff

Foto: AP/Shams News Network

Bürgerkrieg Tote und Verletzte bei angeblichem Giftgas-Angriff in Syrien

Im syrischen Bürgerkrieg sind offenbar wieder Chemiewaffen eingesetzt worden. In der Provinz Hama sollen viele Menschen durch Giftgas verletzt worden sein, angeblich gibt es auch Tote. Die Konfliktparteien beschuldigen sich gegenseitig.
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Beirut - Eigentlich sollen die Giftgas-Bestände in Syrien nach und nach außer Landes gebracht und unschädlich gemacht werden - jetzt das: Regierung und Opposition beschuldigen sich gegenseitig, bei Kämpfen in der zentral gelegenen Provinz Hama Chemiewaffen eingesetzt zu haben.

Das meldet das syrische Staatsfernsehen: Rebellen der mit al-Qaida vernetzten Al-Nusra-Front hätten bei einem Angriff auf das Dorf Kafr Sita am Freitag "giftiges Chlor" eingesetzt. Zwei Menschen seien dabei gestorben, Hundert weitere hätten an Atemnot gelitten. Zudem plane al-Nusra solche Angriffe auch in den Orten Wadi Deif (Provinz Idlib) und Morek (Provinz Hama).

Das sagt der Leiter der oppositionsnahen Organisation Syrische Menschenrechtsbeobachter, Rami Abdel Rahman: Truppen des Präsidenten Baschar al-Assad hätten das Dorf mit Fassbomben attackiert. Kampfflugzeuge der Regierung hätten dabei Sprengstofffässer abgeworfen, die einen "dichten Rauch und Gerüche" erzeugt hätten. Daraufhin hätten Bewohner des Dorfes unter Atembeschwerden gelitten. Einige der Betroffenen sollen auch Symptome einer Vergiftung gezeigt haben.

"Ein Geruch, der Chlorgas ähnelt"

Auf Facebook berichteten Aktivisten aus Kafr Sita laut der Nachrichtenagentur AFP von einem Angriff mit "Chlorgas", durch den es "mehr als hundert Fälle von Atemnot" gegeben habe. Auf der Video-Plattform YouTube wurden Filme veröffentlicht, auf denen hustetende Kinder und Männer zu sehen sind. Unter anderem sind AP zufolge drei Jugendliche in einem Lazarett mit Sauerstoffmasken vor dem Gesicht zu sehen. Ein Mann, offenbar ein Arzt, spricht von einem "gelben Produkt" mit einem "Geruch, der Chlorgas ähnelt".

Im vergangenen Jahr hatten sich Regierung und Opposition gegenseitig eine Giftgas-Attacke nahe der syrischen Hauptstadt Damaskus vorgeworfen. Dabei sollen etwa 1400 Menschen ums Leben gekommen sein. Die weltweite Empörung führte dazu, dass das Assad-Regime der Vernichtung seines Chemiewaffenarsenals zustimmte. Für die Entsorgung der Kampfgase, unter anderem im niedersächsischen Munster , hat die Uno eine Frist bis zum 30. Juni gesetzt.

In den vergangenen Tagen hatte die Heftigkeit des Bürgerkrieges wieder zugenommen: In Aleppo, der zweitgrößten Stadt Syriens, kam es zu den schwersten Kämpfen seit Mitte 2012. Rebellengruppen wollen die Geheimdienstzentrale der syrischen Luftwaffe im Stadtteil Sahra erobern. Das Regime setzt derweil etwa mit dem Einsatz von Fassbomben in von Rebellen kontrollierten Gebieten eine Terrorkampagne gegen die Zivilbevölkerung fort.

mxw/dpa/AP/AFP