Gipfeltreffen: Spanier González wird Oberweiser der EU - DER SPIEGEL
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Gipfeltreffen Spanier González wird Oberweiser der EU

Große Visionen für Europa: Die EU-Staats- und Regierungschefs haben einen "Rat der Weisen" eingesetzt, der über die Zukunft der Europäischen Union nachdenken soll. Vorsitzender des Gremiums wird der frühere spanische Ministerpräsident Felipe González.
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Brüssel - Die Staats- und Regierungschefs haben auf dem EU-Gipfel in Brüssel beschlossen, einen "Rat der Weisen" einzurichten. Wie Diplomaten heute berichteten, soll der Think Tank mit maximal neun Mitgliedern bis zum Juni 2010 einen Bericht an den EU-Gipfel liefern. Die Gruppe von unabhängigen Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft soll sich Gedanken machen, wie die EU in 20 Jahren aussehen soll.

Vorsitzender des Gremiums wird der frühere spanische Ministerpräsident Felipe González. Seine Stellvertreter an der Spitze des Rates werden die frühere lettische Präsidentin Vaira Vike-Freiberga und der ehemalige Nokia-Chef Jorma Ollila.

Mit der Gründung des Gremiums erfüllt sich ein Wunsch von Frankreichs Präsidenten. Nicolas Sarkozy, der einen Beitritt der Türkei strikt ablehnt, erhofft von den "Weisen" Unterstützung.

González war von 1982 bis 1996 fast 14 Jahre lang Ministerpräsident Spaniens. Seine in dieser Zeit auf internationalem Parkett gesammelte Erfahrung hat den 65-jährigen Sozialisten immer wieder zu einem gefragten Politiker gemacht, wenn es um die Vermittlung in Krisensituationen ging. In Spanien ist er trotz der Skandale, die seine Niederlage bei den Wahlen im März 1996 einleiteten, weiterhin sehr populär und als Redner gefragt.

Wie kein anderer verkörperte der politische Zögling Willy Brandts als Regierungschef das "neue Spanien", das durch die Demokratisierung nach der Franco-Diktatur (1939-1975) entstand. In seiner Amtszeit entwickelte sich das Land zu einem modernen europäischen Staat, der seine internationale Isolierung überwand und Mitglied in der Europäischen Gemeinschaft und der Nato wurde.

González wurde 1942 im andalusischen Sevilla als Sohn eines Viehhändlers geboren. Er studierte Jura und spezialisierte sich als Arbeiteranwalt. 1964 schloss er sich der damals verbotenen PSOE im Untergrund an. Mit 40 Jahren wurde er am 28. Oktober 1982 mit absoluter Mehrheit erstmals Regierungschef. "Hoffnungsträger für Europa" wurde er genannt, als er 1993 den Aachener Karlspreis bekam. Im Juni 1997 verzichtete González nach fast 23 Jahren überraschend auf seine Wiederwahl als Vorsitzender der spanischen Sozialisten (PSOE).

amz/AFP/dpa