Giuliani vor 9/11-Ausschuss: "Mein Sohn wurde wegen Ihrer Inkompetenz ermordet" - DER SPIEGEL
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Giuliani vor 9/11-Ausschuss "Mein Sohn wurde wegen Ihrer Inkompetenz ermordet"

Nach den Anschlägen vom 11. September galt der damalige New Yorker Bürgermeister Rudolph Giuliani als Held. Er war sofort vor Ort, fand zur richtigen Zeit die richtigen Worte. Doch das war nicht genug, meinen jetzt viele Hinterbliebene. Nach seiner Aussage vor dem 9/11-Ausschuss hagelte es schwere Kritik an Giuliani.
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New York - Mit seiner Aussage löste Giuliani einen Sturm der Entrüstung aus. Angehörige von Opfern beklagten gestern, der Ex-Bürgermeister habe ausschließlich über seine Verdienste gesprochen und nichts zur Aufklärung von Fehlern beim Rettungseinsatz beigetragen. Die Mitglieder der Kommission lobten dagegen Giulianis besonnenes Handeln.

"Mein Sohn wurde wegen Ihrer Inkompetenz ermordet", rief Sally Regenhard, die im eingestürzten World Trade Center ihren Sohn, einen Feuerwehrmann, verlor. "Dies war nicht die richtige Zeit für Rudolph Giuliani, über all die tollen Dinge zu sprechen, die er am 11. September getan hat", sagte Monica Gabrielle, deren Ehemann getötet wurde. "Er hätte uns sagen sollen, was falsch lief und was wir jetzt tun sollten."

Giuliani hatte eine generell positive Einschätzung der Reaktion auf die Anschläge vorgelegt. Er nahm die Sicherheitskräfte gegen Kritik in Schutz. Es habe zwar "furchtbare Fehler" gegeben, räumte Giuliani ein. Er machte dafür aber die Dimension der Katastrophe verantwortlich. Die Schuld sei einzig bei den Terroristen zu suchen, sagte er. Er erhielt vereinzelt auch Applaus von den Angehörigen.

"New York war an diesem Tag auf eine gewisse Art gesegnet, Sie als Führungskraft zu haben", sagte der Vorsitzende der Kommission, Thomas Kean, zu Giuliani. "Es hatte jemanden, der (...) die Dinge in die Hand nahm." Angehörige der Opfer bezeichneten die Befragung als nicht ausreichend. "Viele Fragen, die die Öffentlichkeit noch hat, könnten mit dieser Kommission untergehen", erklärte Patricia Casazza.

Die Kommission veröffentlichte bislang zwei Berichte zu den Terroranschlägen. Sie geht darin von erheblichen Fehlern beim Rettungseinsatz aus. Unter anderem kritisieren die Dokumente die mangelnde Zusammenarbeit zwischen Polizei und Feuerwehr am 11. September 2001. Auch habe die Weitergabe von Informationen zwischen der Notrufzentrale und den Einsatzkräften vor Ort nicht funktioniert.

Wegen der Mängel im Notrufsystem seien den Menschen im World Trade Center wesentliche Informationen nicht zugänglich gewesen, die möglicherweise ihr Leben hätten retten können. Die Notrufzentrale habe nicht rechtzeitig von der Entscheidung der Feuerwehr erfahren, die brennenden Zwillingstürme zu evakuieren. Deshalb hätten Betroffene im World Trade Center bei Notrufen die Weisung bekommen, das Gebäude nicht zu verlassen.

Giuliani schilderte in seiner Aussage, wie er den 11. September erlebte. Er beschrieb auch, wie ein Mann sich aus dem 102. Stockwerk des Nordturms in die Tiefe stürzte, und löste damit Tränen bei einigen Angehörigen aus. Der Ex-Bürgermeister erklärte, Warnungen vor möglichen Terroranschlägen in New York, die in einem Memo des Weißen Hauses vom 6. August 2001 enthalten gewesen seien, hätten die Stadt nie erreicht. Er betonte, eine solche Warnung hätte wahrscheinlich nicht zu einer Veränderung der Sicherheitsvorkehrungen geführt.

Die Kommission wird ihre Anhörungen am 8. und 9. Juni in Washington fortsetzen. Der Abschlussbericht soll am 26. Juli vorliegen.