Gore oder Bush: Amerika wählt - DER SPIEGEL
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Gore oder Bush Amerika wählt

Mit der Öffnung der Wahllokale in zwei kleinen Dörfern im US-Bundesstaat New Hampshire haben die Präsidentschaftswahlen in den USA begonnen. SPIEGEL ONLINE berichtet live von der US-Wahl.
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Washington/Orlando - Das Rennen zwischen dem Republikaner George W. Bush und dem Demokraten Al Gore ist das knappste seit Jahrzehnten. Bis zuletzt tourten die beiden Kandidaten durchs Land, um sich Stimmen zu sichern. Dabei konzentrierten sich Gore und Bush noch einmal auf Auftritte in Bundesstaaten, deren Stimmabgabe die entscheidende Mehrheit im Wahlmänner- und frauengremium bringen kann, das letztlich den Präsidenten bestimmt.

Als erste US-Bürger können die Bewohner zweier kleiner Dörfer im Bundesstaat New Hampshire ihre Stimmen abgeben. Dort öffneten die Wahllokale bereits um kurz nach Mitternacht (6 Uhr MEZ). Da es nur 57 Wahlberechtigte gibt und die Wahllokale nach Abgabe der Stimmen aller Wahlberechtigten schließen und mit der Auszählung beginnen können, dürfte das Ergebnis schon kurze Zeit später vorliegen. Allerdings erwiesen sich die traditionellen "Frühwähler" bei zurückliegenden Urnengängen nicht gerade als Trendsetter.

Das Endergebnis dürfte auf Grund des erwarteten knappen Ausgangs - wie zuletzt vor 40 Jahren im Rennen zwischen John F. Kennedy und Richard Nixon - erst am Mittwochmorgen (Ostküstenzeit) vorliegen.

Milliarden für den Wahlkampf

Nach einer Übersicht der "Washington Post" haben Parteien und Interessengruppen die Rekordsumme von drei Milliarden Dollar (etwa 7,5 Milliarden Mark) in dem seit vielen Monaten tobenden Wahlkampf um Weißes Haus und Kongress investiert. Hinzu kommt eine weitere Milliarde für Wahlkämpfe auf Bundesstaatsebene. "Das ist jenseits von allem, was wir jemals erlebt haben", sagte Larry Makinson vom "Center for Responsive Politics", einem unabhängigen Institut, das die Wahlkampffinanzierung beobachtet.

Wahlmännerstimmen entscheiden die Präsidentschaftswahl

Jedem Staat steht - je nach Bevölkerungsgröße - eine gewisse Zahl von Wahlmännern zu. Der Kandidat, der in einem Staat die Mehrheit gewinnt, erhält alle Wahlmännerstimmen dieses Staates zugesprochen. Den bisherigen Umfragen zufolge könnte es durchaus passieren, dass Bush zwar landesweit mehr Stimmen erhält als Gore, dieser aber mehr Wahlmännerstimmen auf sich vereinigt und siegt. In der US-Geschichte passierte dies bislang dreimal, zuletzt 1888.

Das Rennen um den Kongress

Bei der Wahl am Dienstag entscheiden die Wähler auch über die Zusammensetzung des Kongresses. Zu wählen sind alle 435 Abgeordneten des Repräsentantenhauses und 34 der 100 Senatoren. In beiden Häusern des Kongresses haben die Republikaner derzeit die Mehrheit. Die Demokraten hoffen, die Mehrheit zumindest in einer Kammer zurückerobern zu können. Gewählt werden außerdem 11 von 50 Gouverneuren der Einzelstaaten.

Besonders interessant ist die Kongresswahl im Staat New York, wo sich Hillary Clinton, die Frau von Präsident Bill Clinton, um einen Sitz im US-Senat bewirbt. In jüngsten Umfragen lag die First Lady zwischen vier und sieben Prozent vor ihrem republikanischen Gegner Rick Lazio.