Großbitannien Labour Party in Geldnot
Eine der Ursachen für die finanzielle Schlagseite der Regierungspartei ist rapider und stetiger Mitgliederschwund. Während Labour 1997, im Jahr des Wahltriumphs über die Konservativen, gut 400 000 Mitglieder hatte, sind nach fünf Jahren der Regierung Tony Blairs kaum mehr als 250 000 geblieben. Besonders drastisch ist die Auszehrung dabei in den einstigen Hochburgen im Norden Englands. Dort treibt der oft konservative New-Labour-Kurs von Parteichef Blair die linken Aktivisten aus der Partei.
Zur Finanzmisere trägt auch bei, dass die Parteiführung Opfer ihrer eigenen neoliberalen Vorstellungen wurde, nach der Privatfirmen prinzipiell effektiver und kostengünstiger arbeiten als staatliche Institutionen. Im Jahr 1999 übertrug man die Betreuung der Mitglieder an eine Firma, die dafür knapp 3 Millionen Euro im Jahr kassiert. Als dies noch von Genossen in der Parteizentrale Millbank Tower erledigt wurde, gab Labour dafür nur 1,3 Millionen aus. "Derzeit", so heißt es in dem Bericht zum absurden Outsourcing-Ergebnis, "kostet der Service für Mitglieder mehr als deren Beiträge einbringen."
Wie die Partei die roten Zahlen wieder in schwarze verwandeln kann, ist im Vorstand umstritten. Während Generalsekretär David Triesman eine staatliche Förderung der Parteien nach deutschem Vorbild für sinnvoll hält, lehnt Parteichef Blair dies ab. Allerdings musste der Premier sich vergangene Woche wieder einmal gegen Vorwürfe der Opposition wehren, seine Regierung sei käuflich: Blair war für einen indischen Unternehmer eingetreten, der Labour kurz zuvor gut 200 000 Euro gespendet hatte.