Undercover-Recherche Frühere britische Außenminister boten ihre Dienste für Tausende Pfund an
Ex-Außenminister Jack Straw: 5000 Pfund pro Tag
Foto: © Stefan Wermuth / Reuters/ REUTERSLondon - Die beiden früheren britischen Außenminister Jack Straw (Labour) und Malcolm Rifkind (Konservative) stehen im Zentrum eines Korruptionsskandals. Sie waren offenbar bereit, ihre Kontakte gegen viel Geld zu verkaufen. Die Spitzenpolitiker, die immer noch als einflussreiche Abgeordnete im Unterhaus sitzen, tappten in eine Falle, die ihnen Reporter des TV-Senders Channel 4 und der Zeitung "Daily Telegraph" gestellt hatten. Der Bericht soll am Montagabend ausgestrahlt werden.
Straw bot demnach einer fiktiven Hongkonger Firma seine Verbindungen zu Politikern an - gegen 5000 Pfund (6800 Euro) pro Tag. Rifkind stellte der Firma in Aussicht, ihr die Tür zu "jedem britischen Botschafter in der Welt" zu öffnen. Die beiden Ex-Minister sind die bislang prominentesten britischen Politiker, die sich von als Geschäftsleuten getarnten Journalisten täuschen ließen.
Ex-Minister Rifkind: "Mit aller Kraft dagegen vorgehen"
Foto: Oli Scarff/ Getty ImagesFür Straw bedeutet dies drei Monate vor der Parlamentswahl im Mai das Aus, er trat als Konsequenz bereits aus der Labour-Fraktion zurück. Auch Rifkind muss sich einer parlamentarischen Untersuchung stellen.
Straw verteidigte sich am Sonntagabend kurz nach Bekanntwerden der Vorwürfe. Er habe gegenüber den Undercover-Journalisten erklärt, er werde nur dann für deren vermeintliche Firma arbeiten können, wenn er wie geplant nach der Wahl im Mai zurückgetreten sein werde. Nun werde ihm zu Unrecht ein Fehlverhalten unterstellt.
Straw soll seine Kontakte angepriesen haben
Straw war unter Tony Blair und Gordon Brown Außen- und Justizminister. Seine Labour-Partei bezeichnete die Vorwürfe als "verstörend". Er habe sich selbst beim parlamentarischen Kommissar für Verhaltensregeln gemeldet und sich aus der Fraktion zurückgezogen, sagte ein Sprecher. Der frühere Minister gehört zu den einflussreichsten Persönlichkeiten der Partei.
Den Berichten zufolge pries sich Straw in Treffen mit den verdeckten Journalisten regelrecht an. So habe er angegeben, sich bereits für 60.000 Pfund pro Jahr "unter dem Radar" für eine Rohstofffirma eingesetzt zu haben, um EU-Auflagen zu verändern. Einen früheren ukrainischen Regierungschef will er demnach dazu gebracht haben, zugunsten der Firma Gesetze zu ändern.
Tory-Mann Rifkind, der 1997 in den Ritterstand gehoben worden war, ist Vorsitzender des Geheimdienst- und Sicherheitsausschusses im Parlament. Er war unter John Major Verteidigungs- und Außenminister. Ein Sprecher von Tory-Premierminister David Cameron sagte zu den Enthüllungen, Rifkind habe sich wie Straw beim Parlamentskommissar gemeldet, damit überprüft werde, ob er gegen die Regeln für Abgeordnete verstoßen habe.
Rifkind sagte der BBC am Montagmorgen, es handele sich um sehr schwerwiegende Vorwürfe. Er werde mit aller Kraft gegen sie vorgehen.
Der "Telegraph" berichtete, die Journalisten hätten insgesamt zwölf Parlamentarier kontaktiert. Sechs von ihnen hätten überhaupt nicht reagiert. Nur einer habe den vermeintlichen Geschäftsleuten geantwortet, seine Kontakte seien "nicht zu verkaufen".