Großbritannien Pöbelei gegen Polizisten - Spitzenpolitiker tritt zurück
Britischer Staatssekretär Mitchell (Archivbild): Soll Polizisten angeschnauzt haben
Foto: DARREN STAPLES/ REUTERSLondon - Es war vermutlich nur ein unbedachtes Wort, doch es hat einen hohen Regierungsbeamten zu Fall gebracht: Der britische Staatssekretär Andrew Mitchell ist zurückgetreten, weil er zwei Polizisten bepöbelt hatte. Zunächst hatte er sich an sein Amt geklammert, doch der öffentliche Druck wurde offenbar zu groß: Am Freitag gab Mitchell seinen Rückzug bekannt.
Als "Fucking Plebs" - "Scheiß Proleten" - soll er die beiden Beamten beschimpft haben, als diese ihn mit seinem Fahrrad nicht durchs Haupttor zur Downing Street ließen und ihn durch die Fußgängertür des britischen Regierungssitzes schickten. Mitchell entschuldigte sich bei den Beamten. Er selbst bestritt aber, das Wort "plebs" benutzt zu haben.
Der Vorfall hatte in Großbritannien eine heftige Debatte über das großspurige Verhalten von konservativen Regierungsmitgliedern ausgelöst. Viele - insbesondere auch von Sozialkürzungen betroffene - Briten werfen dem konservativen Regierungschef David Cameron und seinen Ministern vor, abgehoben zu sein. Cameron, der lange hinter Mitchell stand, stimmte dessen Rücktrittsgesuch zu, wie ein Sprecher am Freitag mitteilte.
"In den vergangenen beiden Tagen ist mir klar geworden, dass ich nicht mehr in der Lage sein werde, meine Pflichten so erfüllen, wie wir es uns beide wünschen", erklärte Mitchell. Er war der sogenannte "Chief Whip": Als "Chef-Einpeitscher" hatte er die Funktion, in den Reihen der konservativen Regierungspartei für Disziplin und Ordnung zu sorgen.