Guantanamo Bay Mietvertrag im Feindesland
Guantanamo - Es ist 117 Quadratkilometer groß, von einem doppelten Grenzzaun mit 44 Türmen umschlossen: In der Bucht Guantanamo im Osten Kubas befindet sich ein Stück USA. Zwei Flugplätze gibt es hier, ein Krankenhaus, mehrere Wohnsiedlungen und sogar Badestrände. Man hätte sich ein schlechteres Plätzchen für eine Militärbasis aussuchen können, scheint es.
Bereits 1898, im spanisch-amerikanischen Krieg, nutzten die Amerikaner Guantanamo Bay als Marine-Stützpunkt. Nach Kriegsende blieben sie da, ohne Vertrag - bis zum Jahr 1903. Kuba war inzwischen, mit Unterstützung der Vereinigten Staaten, unabhängig geworden und verpachtete das Land nun offiziell an die USA. 1934 wurde der Vertrag noch einmal erneuert, mit der Vereinbarung, dass beide Regierungen einer Kündigung zustimmen müssen.
Fast 70 Jahre später sind die US-Soldaten immer noch da. Jetzt allerdings nicht mehr als Freunde, die Kuba in seiner Unabhängigkeit gegen das spanische Mutterland unterstützen, sondern als Klassenfeind auf dem kommunistischen Eiland. Entsprechend frostig war auch schon die Stimmung zwischen Mieter und Vermieter auf der Karibikinsel.
Ein Vermieter, der kein Geld will
Seit dem Sieg Fidel Castros 1959 verweigert Kuba die Annahme der Pachtzahlungen. Das wäre ja noch nicht allzu schlimm, doch in den sechziger Jahren haben die Kommunisten dem Stützpunkt die Wasser- und Stromzufuhr abgedreht. Seitdem müssen die Soldaten ihr Frischwasser mit Meerwasserentsalzungsanlagen herstellen. Die Landesherren sahen es auch nicht gerne, dass die USA Mitte der neunziger Jahre kubanische Bootsflüchtlinge auf dem Stützpunkt unterbrachten.
Mittlerweile ist die Lage wieder etwas entspannter. Eigentlich hätten die beiden Seiten schon im Jahre 2000 über die Zukunft von Guantanamo Bay entscheiden sollen, doch der Termin verstrich. Kubas Forderung nach einer Räumung der Basis wurde in den vergangenen Jahren auch nicht mehr ausgesprochen.
Und Fidel Castro hatte auch keine Einwände, als die US-Amerikaner kundtaten, dass sie die gefangenen Taliban- und al-Qaida-Kämpfer auf der Karibik-Insel unterzubringen beabsichtigten. Damit tat der Máximo Líder der Bush-Regierung einen großen Gefallen. Guantanamo Bay ist immer noch kubanisches Hoheitsgebiet, und die Gefangenen sollten nicht auf US-amerikanischen Land untergebracht werden. Denn damit hätten sie die gleichen Rechte wie ein US-Angeklagter gehabt.