Guantanamo-By: Ex-Häftlinge klagen an - DER SPIEGEL
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Guantanamo-By Ex-Häftlinge klagen an

Drei frühere britische Gefangene im US-Militärstützpunkt Guantanamo Bay auf Kuba haben dem US-Militär die systematische Misshandlung von Gefangenen vorgeworfen. Sie berichten von erpressten Geständnissen, Quälerei und Missbrauch. Hunderte Häftlinge hätten Selbstmordversuche hinter sich.
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London - Die drei Briten moslemischen Glaubens waren im Jahr 2002 in Afghanistan gefangen genommen und in Guantanamo Bay inhaftiert wurden. Asef Iqbal, Ruhal Ahmed und Shafiq Rasul hatten zwei Jahre ohne offizielle Anklage und Rechtsbeistand in Gefangenschaft verbracht. Im März hatte das US-Militär die Briten schließlich freigelassen. Heute wollen sie in New York ein 115-seitiges Dossier über die Misshandlungen in dem Gefangenenlager vorlegen.

Die drei Männer geben an, mehrfach geschlagen und getreten, mit Drogen voll gepumpt, nackt fotografiert sowie sexuell missbraucht worden zu sein. Zudem seien sie durch gleißendes Licht und ohrenbetäubende Musik am Schlafen gehindert und im Analbereich auf schmerzhafte Weise untersucht worden.

Unter Generalmajor Geoffrey Miller, der später das berüchtigte Gefängnis Abu Ghureib in Bagdad befehligte, habe sich die Lage der Häftlinge in Guantanamo noch verschlimmert, hieß es. Ihnen seien die Bärte abgeschnitten worden, sie seien mit Fesseln in unnatürliche Haltungen gezwungen und nackt in den Zellen eingeschlossen worden.

Einer von ihnen, Rhuhel Ahmed, sei von einem britischen Elitesoldaten verhört worden, während ein US-Soldat ihm eine Waffe an den Kopf gehalten habe. Bei der kleinsten Bewegung würden sie ihn erschießen, sollen die Soldaten gedroht haben. Die drei Gefangenen hätten daraufhin ein falsches Geständnis abgelegt und Verbindungen zu al-Qaida gestanden. Sie hätten zugegeben, auf einem Video gemeinsam mit al-Qaida-Führer Osama Bin Laden und Mohammed Atta, einem der Flugzeugentführer vom 11. September 2001, zu sehen zu sein.

Einer ihrer Anwälte, Gareth Pierce, sagte der BBC: "Es gab keine Methode, die nicht angewendet wurde, um ihren Willen zu brechen, damit sie etwas zugeben, das sie nicht getan haben - und alle drei taten dies auch."

Anwesende Mitglieder des britischen Geheimdienstes MI5 hätten die Behandlung in Guantanamo toleriert, berichten die drei Männer laut BBC weiter. Beschwerden in schriftlicher oder mündlicher Form bei britischen Botschaftsangehörigen hätten keinerlei Ergebnisse gebracht.

Ein Sprecher des Außenministeriums in London sagte der BBC, niemand habe das Außenministerium auf mögliche Misshandlungen hingewiesen. Das Verteidigungsministerium sagte dem Sender, die Anschuldigungen würden untersucht.

Nach Angaben der drei Briten haben Hunderte Häftlinge in Guantanamo Bay versucht, Selbstmord zu begehen, mindestens 100 seien psychisch krank. Die Drei seien selbst nicht sexuell belästigt worden, andere Gefangenen hingegen schon.

In Guantanamo Bay sitzen zurzeit etwa 600 Gefangene ein. Der Großteil von ihnen wird verdächtigt, das gestürzte radikal-islamische Taliban-Regime in Afghanistan oder al-Qaida unterstützt zu haben.