Haditha-Massaker: Erst schießen, dann Fragen stellen - DER SPIEGEL
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Haditha-Massaker Erst schießen, dann Fragen stellen

Ein junger Familienvater steht im Mittelpunkt des mutmaßlich schlimmsten Kriegsverbrechens, das US-Soldaten bislang im Irak begangen haben. Marineinfanterist Frank Wuterich hat zwei kleine Töchter und wollte eigentlich Musiker werden - jetzt wird ihm vor Gericht 13-facher Mord vorgehalten.
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Camp Pendleton - Es ist schwer, das Leben des Marineinfanteristen Frank Wuterich mit der Tat zusammenzubringen, die ihm vorgeworfen wird. Der 26-jährige Soldat aus dem Ort Meriden im Bundesstaat Connecticut hat zwei kleine Töchter mit seiner Frau, ein drittes Kind ist unterwegs.

Seine Eltern erzählen, ihr Sohn habe sich in seinem letzten Jahr an der High-School für die Armee verpflichtet, in der Hoffnung, im Musikkorps der Marines Trompete zu spielen. Nach seiner Militärzeit habe er eine Hochschule besuchen wollen, um sich dort zum Musikproduzenten ausbilden zu lassen, so die Eltern.

Und doch ist Wuterich, der Familienvater mit dem Milchgesicht, die Hauptfigur in dem Drama, das derzeit im kalifornischen Camp Pendleton vor Gericht verhandelt wird und das das Ansehen Amerikas erheblich zu schädigen droht.

Zwei Dutzend Zivilisten getötet

Wuterich wird 13-facher Mord an irakischen Zivilisten vorgeworfen. In Haditha waren am 19. November 2005 bei einem US-Militäreinsatz zwei Dutzend unbewaffnete Männer, Frauen und Kinder getötet worden. Der Vorfall hatte weltweit Entsetzen ausgelöst.

Augenzeugen zufolge sollen die Soldaten die Zivilisten aus Rache für einen getöteten US-Soldaten erschossen haben. Die Verteidigung bestreitet diese Version der Ereignisse und spricht stattdessen von einem chaotischen Gefecht nach einer Bombenexplosion. Die Soldaten hätten sich so verhalten, wie sie es gelernt hätten: Auf eine als Bedrohung empfundene Situation entsprechend zu reagieren.

Neben Wuterich müssen sich die die Soldaten Sanick Dela Cruz, 24, Justin Sharratt, 22, und Stephen Tatum, 25, wegen Mordes im Fall Haditha vor Gericht verantworten. Vier weitere Soldaten, deren Namen bislang ungenannt blieben, wird vorgeworfen, den Vorfall nicht ordnungsgemäß gemeldet und so die Aufklärung behindert zu haben.

Pentagon spricht von "Massaker"

Die US-Streitkräfte hatten einen Tag nach dem Vorfall lediglich mitgeteilt, 15 Iraker seien durch einen Sprengsatz umgekommen. Durch Recherchen des US-Magazins "Time" über den Fall waren dann die strafrechtlichen Ermittlungen ins Rollen gekommen. Später sprach dann auch das Pentagon von einem "Massaker".

Frank Wuterich war der Befehlshaber der Einheit und steht daher auch im Zentrum der Untersuchungen, die das US-Militär zum Fall Haditha eingeleitet hatte. Laut Anklage soll Wuterich bei dem Einsatz die Parole ausgeben haben, "erst zu schießen und dann Fragen zu stellen", als er und seine Männer ein Haus durchsuchten.

Marineinfanterist Wuterich ist kein erfahrener Soldat: Er war erst zwei Monate im Irak, als sich der Vorfall in Haditha ereignete. Es war sein erster Kriegseinsatz.

Sein Vater gab gestern amerikanischen Reportern Interviews in der Auffahrt des idyllischen Elternhauses, dessen Haustür mit einer amerikanischen Flagge geschmückt ist. Auf den Autos vor der Haustür kleben Aufkleber mit der Parole "Verteidige die Verteidiger". Der Vater wird mit den Worten zitiert: "Wir sind alle sehr niedergeschlagen. Wir stehen zu ihm, wir glauben, dass er unschuldig ist."

jaf/dpa/rtr/AFP

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