Haiti Marines schützen US-Botschaft
Port-au-Prince - Auf Drängen von US-Außenminister Colin Powell hatte sich die Opposition gestern bereit erklärt, ihre formelle Antwort auf einen internationalen Friedensplan um 24 Stunden auf heute zu verschieben.
Zweieinhalb Wochen nach Beginn der Revolte kontrollieren die Rebellen bereits die Hälfte des Landes. Präsident Jean-Bertrand Aristide selbst erklärte sich bereits am Wochenende dazu bereit, wie im Friedensplan gefordert die Regierungsmacht mit der Opposition zu teilen. Die Opposition lehnt dies jedoch als unzureichend ab.
Der Friedensplan beruht auf einer Initiative der Karibikstaaten und wird auch von Kanada, der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich, der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) und der Europäischen Union unterstützt.
Die USA hatten bereits vor dem Einsatz der Marine-Infanteristen ihre Bürger aufgefordert, das Land zu verlassen und einen Teil des Botschaftspersonals abgezogen. Wie aus diplomatischen Kreisen verlautete, arbeiten die Vereinigten Staaten möglicherweise doch auf eine Ablösung Aristides hin. Washington suche nach einem ehemaligen Offizier, der die moralische Autorität habe, Haiti bis zur Bildung einer Übergangsregierung zu führen.
Der frühere Militärmachthaber, Generalleutnant Herard Abraham, rief unterdessen im Rundfunk Aristide zum Rücktritt auf, da er keine Kontrolle mehr über das Land habe. Aristide sollte den persönlichen Mut zu dieser patriotischen Geste aufbringen,sagte der General, der 1990 die Macht abgab und damit den Weg für die erste freie Wahl Haitis freimachte. Aus der Wahl ging Aristide als Sieger hervor.
Bereits ein Jahr später wurde Aristide bei einem Militärputsch gestürzt. 1994 wurde er mit Unterstützung einer US-Invasion wieder in sein Amt eingesetzt. Seit der von Manipulationen überschatteten Parlamentswahl im Jahr 2000, aus der Aristides Partei siegreich hervorging, nahmen die Spannungen ständig zu. Seine reguläre Amtszeit läuft 2006 ab.
Das Rote Kreuz warnte unterdessen vor einem Zusammenbruch der Gesundheitsversorgung in Haiti. "Die Situation gerät sehr schnell außer Kontrolle", sagte Yves Giovannoni vom Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) in Genf. Haiti sei eines der ärmsten Länder der Welt, jeder Gewaltausbruch führe zu Chaos.