Haiti: Opposition droht mit Blutbad - DER SPIEGEL
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Haiti Opposition droht mit Blutbad

"Aristide muss gehen. Sonst gibt es ein großes Blutbad in Port-au-Prince." Mit dieser Drohung reagiert die haitianische Opposition auf den internationalen Friedenplan für die Karibik-Insel. Sie verlangen den Rücktritt des Präsidenten bis zum 18. März.
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Port-au-Prince - Die Aufständischen erklärten am Sonntagabend nach der Einnahme der zweitgrößten Stadt des Landes, Cap-Haitien, auch Port-au-Prince in Kürze anzugreifen. "Wir werden zum Nationalpalast nach Port-au-Prince marschieren und Aristide vertreiben", sagte ein Sprecher der Aufständischen, Louis-Jodel Chamblain.

Der militärische Führer der Widerstandsfront, Guy Philippe, sagte in einem Radiointerview, die Erstürmung der Hauptstadt werde schon in den nächsten Tagen beginnen. Zuvor solle noch Saint-Marc (rund 100 Kilometer nördlich von Port-au-Prince) befreit werden. "In weniger als 15 Tagen werden wir ganz Haiti kontrollieren", sagte Philippe.

Gefolgsleute Aristides wappneten sich unterdessen für einen Angriff auf die Hauptstadt. "Wir sind zum Widerstand bereit mit allem, was wir haben - Steine und Macheten", sagte ein Lehrer, der eine Straßensperre bewachte. Aus regierungsnahen Kreisen verlautete, mehrere Kabinettsmitglieder hätten sich für den Fall der Erstürmung der Hauptstadt um ein Versteck bei Freunden bemüht.

Aristide soll bis zum 18. März zurücktreten

Nach dem Willen der Opposition soll Haitis Präsident Jean-Bertrand Aristide bis zum 18. März zurücktreten. Mit diesem Vorschlag reagierten Sprecher der "Demokratischen Plattform" am Montag auf einen Friedensplan der internationalen Gemeinschaft, nach dem Aristide bis zum Ende seiner fünfjährigen Wahlperiode im Februar 2006 im Amt bleiben könnte. "Aristide muss gehen. So schnell wie möglich. Sonst gibt es ein großes Blutbad in Port-au-Prince", sagte der Sprecher der "Gruppe der 184", André Apaid, vor der Presse in der Hauptstadt.

Der Plan der Opposition eines geordneten Regimewechsels sieht die Bildung eines "Rates der Weisen" aus neun Mitgliedern vor, der die Arbeit der künftigen Regierung begleiten soll. Neuer Staatschef nach dem Rücktritt Aristides soll ein Mitglied des obersten Gerichtshofes werden. "Es gibt keine Lösung der Krise mit Jean Bertrand Aristide an der Macht", betonte der frühere Bürgermeister von Port-au-Prince, Evans Paul.

Die bewaffnete Rebellenbewegung im Norden Haitis, die keine direkte Verbindung zur "demokratischen Plattform" in Port-au-Prince hat, hat für die nächsten Tage einen Angriff auf die Haupstadt angekündigt. Die haitianische Opposition hatte bis 23.00 MEZ Zeit, um über die Annahme des am Samstag von der internationalen Gemeinschaft vorgelegten Friedensplan zu entscheiden. Dieser sieht ihre Beteiligung an der Regierung, nicht jedoch den Rücktritt Aristides vor.

Angesichts der Kämpfe haben Deutschland und Frankreich ihre Bürger zum Verlassen des Landes aufgerufen. Die Sicherheitslage in Haiti werde sorgfältig beobachtet, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes am Montag in Berlin. Der zuständige Krisenstab tage regelmäßig. Bereits seit dem 11. Februar rät das Außenamt Deutschen auszureisen, wenn das sicher möglich und ihre Anwesenheit in Haiti nicht unbedingt erforderlich ist. Auch der französische Außenminister Dominique de Villepin sagte im Rundfunk: "Wir sind überzeugt, dass alle, die nicht die Pflicht haben, vor Ort zu sein, nicht bleiben sollten."

Das Rote Kreuz warnte am Montag vor einem Zusammenbruch der Gesundheitsversorgung in Haiti. "Die Situation gerät sehr schnell außer Kontrolle", sagte Yves Giovannoni vom Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) in Genf. Haiti sei eines der ärmsten Länder der Welt, jeder Gewaltausbruch führe zu Chaos.