Hariri-Attentat Verdächtiger festgenommen
Beirut - Einzelheiten zur Person wurden zunächst nicht bekannt. Die libanesische Armee sei in höchste Alarmbereitschaft versetzt worden, um die Stabilität des Landes aufrecht zu erhalten, meldete der britische Sender BBC unter Berufung auf eine Mitteilung der Streitkräfte. Justizminister Adnan Addum sagte, die Durchführung der Tat deute auf "ausländische Elemente" hin. Nach Angaben des Innenministeriums soll das Attentat ein Selbstmordattentäter verübt haben.
Bei dem Anschlag nach mehr als einem Jahrzehnt relativer Ruhe wurden gestern in Beirut mindestens zehn Menschen getötet und etwa 100 verletzt. Zu der Bluttat bekannte sich eine bisher unbekannte islamistische Gruppe. In Beirut sei die Wohnung eines Palästinensers durchsucht worden, der sich auf einem von dem arabischen Fernsehsender al-Dschasira ausgestrahlten Video zu der Tat bekannt hatte. Dagegen heißt es in einer der Terrorgruppe al-Qaida zugeschriebenen Erklärung, nicht Islamisten, sondern der libanesische, syrische oder israelische Geheimdienst steckten hinter der Ermordung Hariris. Die Erklärung, unterzeichnet von der bisher unbekannten Gruppe mit dem Namen 'al-Qaida-Organisation in der Levante', wurde heute auf einer islamistischen Internetseite veröffentlicht, die häufig von al-Qaida genutzt wird. "Es ist eine komplette Fälschung, wenn Dschihadisten und Salafisten für die Ereignisse in Beirut verantwortlich gemacht werden", heißt es in der Erklärung. Die Authentizität der Erklärung konnte bisher nicht bestätigt werden.
Der Anschlag stieß weltweit auf Empörung. Die US-Regierung verurteilte das Attentat scharf und erwägt Strafmaßnahmen gegen die Schuldigen. "Der Präsident war schockiert und verärgert", sagte sein Sprecher Scott McClellan in Washington. Die Täter versuchten alle Bemühungen zu ersticken, einen unabhängigen und souveränen Libanon aufzubauen, der frei von ausländischer Vorherrschaft sei. In diesem Zusammenhang kritisierte McClellan den syrischen Einfluss im Libanon. "Wir sind besorgt über die ausländische Besatzung", sagte er. Bundesaußenminister Joschka Fischer zeigte sich bestürzt über "dieses kaltblütige Attentat". Auch Uno-Generalsekretär Kofi Annan reagierte betroffen auf die Nachricht. Der "brutale Mord" an Hariri sei ein "gewaltiger Verlust für Libanon, die Region und die internationale Gemeinschaft", bedauerte Annan.
Der Sprengsatz, der nach Angaben aus Sicherheitskreisen mehr als 300 Kilogramm des Sprengstoffs TNT enthielt, explodierte in einem belebten Touristenviertel an der Uferpromenade der Mittelmeerstadt, als der Autokonvoi Hariris vorbeifuhr. Die Bombe riss einen riesigen Krater in den Asphalt. Mehrere Gebäude wurden schwer beschädigt.