Hintergrund Die Dekrete der Taliban
Peshawar - Die Dekrete der Taliban sehen im Fall der festgenommenen Deutschen keine Todesstrafe vor, bedrohen aber die wegen angeblicher Missionierung gefangenen Afghanen. Es gibt zwei Dekrete von Talibananführer Mullah Mohammad Omar, die in diesem Fall eine Rolle spielen. Afghanen droht die Todesstrafe, Ausländern Haftstrafen von bis zu 30 Tagen und die anschließende Ausweisung. Das berichtete die in Pakistan ansässige afghanische Nachrichtenagentur AIP am Mittwoch.
Die Willkürherrschaft der radikal-islamischen Taliban kennt keine klaren Gesetze und einklagbaren Rechte. Sie stützt sich vor allem auf Dekrete Omars. Darüber hinaus handelt die Sittenpolizei, die so genannte Abteilung zur Förderung des Guten und Verhinderung des Bösen, autonom. Ihre Einheiten durchkämmen die Straßen und verprügeln Menschen, die gegen Regeln verstoßen. Frauen müssen ihren ganzen Körper einschließlich des Gesichts verschleiern, Männer Bart und Turban tragen, weltliche Musik und Fernsehen sind verboten.
Im Januar dieses Jahres hatte Omar Afghanen, die den Islam aufgeben, den Tod angedroht. Das "Kafferntum", der Unglaube, wolle den Islam vernichten, schrieb Omar. Christentum und Judentum, die durch den Islam überholt worden seien, lockten Afghanen mit Geld und anderen Taktiken. Ein Afghane, der zu einer anderen Religion wechsle oder sie propagiere, werde hingerichtet.
Im Juni und im Juli wurde ein Dekret Omars veröffentlicht, das ausländischen Helfern Strafen androht, wenn sie Alkohol oder Schweinefleisch in der Öffentlichkeit zu sich nehmen, laute Musik hören, außereheliche sexuelle Beziehungen haben oder Schriften ins Land bringen, die sich gegen die Taliban richten oder fremde Religionen propagieren. Außerdem heißt es dort: "Ausländer dürfen Afghanen nicht zu einer anderen Religion als dem Islam anhalten." Wenn sie dagegen verstoßen, drohen Haft und die Ausweisung.
Experten interpretieren das Dekret vom Juni gegen Ausländer auch als Teil des Machtkampfs zwischen fanatischen und etwas liberaleren Taliban. Die Fanatiker um Omar wollen Afghanistan nach Ansicht von Beobachtern völlig abschotten, selbst wenn das bedeutet, dass keine Hilfe für die hungernde Bevölkerung mehr von außen kommt.